Vom Lago Buenos Aires, Argentinien nach Castro, Insel Chiloe, Chile

Reiseroute Argentinien

Reiseroute Chile

Am Samstag wurde es richtig Hochsommer 😊! Der Strand des Lago Buenos Aires füllte sich extrem. Es war richtiges Beach-Life, wie am Mittelmeer. Sogar Chrisi zog die Badehose ganz unten aus dem Schrank und war zweimal im (kalten) Wasser. Am Sonntag war wieder patagonisches Wetter ☹, was aber nicht schlimm war, denn wir mussten den Januar-Bericht und die Stellplätze hochladen. Gerade rechtzeitig vor dem Sturm räumten wir alle Sachen draußen auf, denn am nächsten Tag wollten wir, nach insgesamt drei Tagen, weiterfahren.

Bis nach Los Antiguos, der argentinischen Grenze, war es nicht mehr weit. Ausreise völlig problemlos (10 Minuten!). Wir fuhren durch eine traumhaft schöne, unwirkliche Landschaft zur chilenischen Grenze. Schalter 1-3, dann Formular über „gefährliche“ Lebensmittel ausgefüllt und offiziellem Mitarbeiter alle Schränke geöffnet, guten Knoblauch geopfert. Einreise-Zeit: 55 Minuten – wir wurden immer besser 😉.

Adios Argentina!

Bienvenido Chile!

Weiter gings ein paar Kilometer bis nach Chile Chico. An der Shell Tankstelle gabs Wasser für die Tanks (mit Bett abbauen, umständlich wie immer) und teures Benzin für den Benzinkocher für draußen. Auf der Hauptstraße waren LKWs verboten. Also alles im Zick-Zack-Kurs hinten entlang. Tiefhängende Stromkabel, enge zugeparkte Straßen! Den Supermarkt fanden wir trotzdem. Wir brauchten ja wieder all die „gefährlichen“ Lebensmittel (sehr teuer!). Mangels Parkplatz parkten wir Muddy weiter weg und „wanderten“ dann mit den vollen Rucksäcken zurück. Neben uns parkte ein junger Bäcker aus Chile mit seinem Wohnmobil und er meinte, man könne in Bahia Jara am Strand wunderbar ungestört schlafen, weil einen in Chile Chico oft die Polizei nachts noch vertreiben würde. Er würde nachher auch dahinfahren.

Die Straße war sehr abenteuerlich und eng! Die Landschaft sah aus wie Neuseeland, vielleicht auch wegen der dunklen Regenwolken. Es ging immer steil den Berg runter. Super! Das mussten wir alles wieder hochfahren und Muddy hasst Bergsteigen! Irgendwann endete die Straße an einem verschlossenen Gatter. Da hatten wir wohl eine Abzweigung verpasst! Chrisi wendete geschickt und tatsächlich ging ein kleiner Sandweg zum Strand. Wir fuhren endlos und fanden dann auch ein schönes Plätzchen, aber bei dem Wetter (es fing an zu regnen) und für eine Nacht lohnte der Umweg von ca. 17 km nicht (den Bäcker sahen wir übrigens NIE wieder 😉).

Am nächsten Vormittag kämpften wir uns nach oben zur Hauptstraße und dachten, die 165 km nach Puerto Rio Tranquilo würden wir locker schaffen. Die Straße Ruta 265 CH ging laut Karte am Lago General Carrera (so heißt der Lago Buenos Aires (Argentinien) auf der Seite von Chile. Der Lago General Carrera ist der größte Chiles und nach dem Titicaca-See der zweitgrößte Südamerikas. Er ist bis zu 580 m tief) entlang, dann über eine Brücke bis zum Zielort. Nach der Brücke ging die Ruta 265 CH dann in die legendäre Ruta 7, die Carretera Austral über.

Die Carretera Austral ist eine rund 1.350 Kilometer lange Straße in Chile, die von Puerto Montt nach Villa O’Higgins an die Südgrenze der Región de Aysén führt. Der Bau der Straße ist noch nicht vollendet. Lange Zeit war der äußerste Süden Chiles nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Der Panamericana-Highway führt nicht durch diese unwegsame Gegend, sondern über Argentinien nach Feuerland. Grund ist die dichte Bewaldung des Gebietes und das bergige, von zahlreichen Hindernissen durchzogene Gelände, wohingegen das argentinische Patagonien sehr karg und relativ weiträumig und somit sehr viel leichter zu erschließen ist.

Im Jahre 1976 begannen unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets die Bauarbeiten für eine Straße durch den Süden. Die Carretera Austral („Südliche Landstraße“) bildete das bis dahin aufwändigste Großprojekt Chiles im 20. Jahrhundert und galt als Prestigevorhaben des Regimes; sie wurde anfänglich nach General Pinochet benannt.

Noch waren wir aber auf der Ruta 265 CH, die keine Straße, sondern 165 km übelste Piste mit Wellblech, die Berge ständig hoch und runter, mal schmal und dann noch schmaler, war. Auf der Carretera Austral kam dann noch unglaublich viel Verkehr dazu. Aber die Landschaft war grandios!

Ab 15.00 Uhr schauten wir schon nach Übernachtungsplätzen, fanden aber nichts! Nach sechs Stunden Fahrt (!) hatten wir es geschafft. Puh! Das war vor allem für Chrisi brutal anstrengend gewesen, denn unser alter Militärlaster fährt sich halt nicht wie ein normales Wohnmobil oder ein moderner LKW.

Endlich waren wir also in Puerto Rio Tranquilo, einer kleinen Ortschaft, angekommen. Das bekannteste Highlight sind die ausgewaschenen Marmorhöhlen im Lago General Carrera, die nur per Boot zu besichtigen sind.

Die ruhige Flussbucht am Río Tranquilo am sonst oft rauen See wurde schon früh als Anlegestelle genutzt. Sie gab dem Ort auch seinen Namen der übersetzt so viel wie „Hafen am ruhigen Fluss“ bedeutet.

Wir nahmen gleich den ersten Campingplatz, denn frei stehen ging nur auf einem Parkplatz an der Hauptverkehrsstraße und leider war alles voll und zugeparkt! Wir landeten auf dem „Camping Rio Chirifo“, der eher für Zelte und kleine Wohnmobile ausgelegt war.

Nach geschickten Verhandlungen von Chrisi bekamen wir zwei Nächte auf dem Campingplatz und unsere Bootstour zu einem sehr günstigen Preis 😊.

Um 9.00 Uhr gings los! Bei einer Dauer von ca. 2,5 Stunden waren wir (ich vor allem!) extrem warm angezogen (zu Recht, wie sich herausstellte). Wir bekamen im „unwahrscheinlichen Fall eines Kenterns“ dicke Schwimmwesten.

Die Marmorhöhlen von Puerto Rio Tranquilo sind das Resultat von jahrtausendelanger Erosion durch das Wasser des Sees, der durch den Zufluss von Gletschern intensiv türkis leuchtet. Die Wände der Höhlen variieren in Farben von strahlend weiß über grau bis hin zu Blautönen. Es war wunderschön!

Auf dem Rückweg hatten wir das Gefühl, dass wir ein Speedboot gemietet hatten! Unser Steuermann gab echt Gas, die Gischt spritzte hoch und wir schanzten über die Wellen mit unserer Glasfaser-„badewanne“. Mit „Seegang“ torkelten wir zurück zu Muddy und machten um 12.00 Uhr erst mal Frühstück 😊. Danach besorgten wir beim Schreiner Sägespäne für die Trenntoilette, bezahlten unsere dritte Nacht und machten noch eine Wanderung zu einem kleinen, lauschigen Wasserfall am Ortsende.

Auf dem Campingplatz lernten wir Renate und Gerd aus Innsbruck, Österreich kennen, die mit einem russischen Motorrad mit Seitenwagen unterwegs waren. Hut ab!! Bei dem Wetter und dem Wind! Auf dem Parkplatz im Dorf standen mittlerweile Angelika und Freddie in den Startlöchern für ihre Bootstour am nächsten Morgen, während Tanja und Gunnar erst mal mit einem Kreuzgelenk-Schaden in Cochrane, Chile, ca. 114 km entfernt gestrandet waren. Sie hatten nun keinen Allrad mehr! Vermutlich konnte man ihnen erst in Puerto Montt, Chile helfen (neuer Stand: auch nicht! Nur in Santiago, der Hauptstadt).

Nach drei Tagen verließen wir dann Puerto Rio Tranquilo um auf der Carretera Austral (Ruta 7) weiter in den Norden zu fahren. Für die 130 km brauchten wir fast fünf Stunden! Das Wellblech war richtig hoch und es gab viele kleine böse Schlaglöcher (sogenannte „potholes“). Die Straße war öfters einseitig gesperrt, damit der Grader, eine spezielle Baumaschine, die im Straßenbau zum Planieren, Verteilen und Einebnen großer Flächen eingesetzt wird, die Piste ungestört pflegen konnte.

Es war super viel Verkehr! Klar, es war Freitag, Sommer in Patagonien und noch ca. 20 Tage Schulferien. Die Landschaft jedoch war wunderschön! Sie erinnerte uns oft ans Voralpenland.

ENDLICH kamen wir in Villa Cerro Castillo an. Ein ziemliches Nest mit viel zu kleinen Campingplätzen. Gott sei Dank brauchten wir keinen. Wir fanden einen Platz, wo schon ein paar Camper standen, links von einer Brücke, bei der wir hofften, dass sie hielt. Auf IOverlander stand zwar in einem Eintrag über diesen Platz, dass sie von der Polizei verjagt worden wären, aber es stand auch dort, dass sogar das Visitor Center diesen Platz für große Fahrzeuge vorschlagen würde. Wir hofften also das Beste! Die Piste hatte uns jedoch schwer zugesetzt: an manchen Stollen der Reifen waren die Ecken von spitzen Steinen abgetrennt und beim Motorrad hatte sich ein Zurrgurt vollständig gelöst! Vom Innenraum ganz zu schweigen, dort fegte es die halbe WC-Papierrolle (im Schrank!) von der Stange.

Neben uns war ein ganz junges Pärchen (Julia und Markus aus der Nähe von Bamberg), die fast zwei Jahre unterwegs und auf dem Weg nach Ushuaia waren. Wir kamen bald ins Gespräch und es war schon sehr spät, als wir uns eine gute Nacht wünschten.

Die ca. 95 km bis Coyhaique auf der nun geteerten Carretera Austral waren eine wunderschöne Strecke mit einer wahnsinnigen Landschaft, meist umringt von den schneebedeckten Anden. Wir waren echt begeistert! Da konnte die argentinische Atlantikseite leider nicht mithalten. In Coyhaique brauchten wir wegen der sehr tiefhängenden Stromkabel und den Chilenen, die es sehr eilige hatten (es war Samstag!) gute Nerven. Auch der Parkplatz des Supermarktes mitten in der Stadt war für so viele Leute zu klein! Noch schwieriger war es, einen Schlafplatz zu finden. Den von IOverlander vorgeschlagenen Parkplatz am Mini-Mini-Flughafen, an dem alles geschlossen war (!?) zerschlugen wir schnell wieder. Auch irgendwelche „Riverbanks“ oder „parking lots“ waren nichts. So landeten wir auf dem RV Park Coyhaique Uozi, einem herrlichen Fleckchen Erde, mit Blick auf einen Felsen, wie aus einer Filmkulisse.

Weil die Gelegenheit günstig war und der Wasserdruck ganz gut, füllten wir noch die Wassertanks auf. War zwar nicht notwendig, aber an Tankstellen standen wir oft im Weg, weil es ja notgedrungen länger dauerte. Chrisi reparierte noch unseren Türfesthalter aus Plastik, der abgebrochen war, so dass wir erst spät losfuhren. Nach dem Tanken war es dann schon 13.45 Uhr. Weiter gings auf der Ruta 7, der Carretera Austral. Dachten wir zumindest! Ohne dass wir es bemerkten, lockte uns das Navi auf die Ruta 240 Richtung Puerto Aysèn und ca. 19 km davor in einem großen Bogen auf der X50 wieder zurück auf die Ruta 7. Es war ein riesen Umweg und irgendwann bemerkten wir es natürlich auch, aber es hatte sich echt gelohnt: eine unbeschreiblich schöne Landschaft in einem sonnigen Tal, umgeben von bewaldeten Bergen mit schroffen Felsen und im Hintergrund die schneebedeckten Anden 😊! So kamen wir allerdings nur bis Manihuales. Dort gab es am gleichnamigen Fluss einen schönen Übernachtungsplatz. Chrisi probierte es nach langer Zeit mal wieder mit einem Lagerfeuer, aber der patagonische Wind war zu heftig. Wir wollten ja nichts anzünden!

Nach einer ruhigen Nacht fuhren wir arglos weiter. Die Carretera Austral entwickelte sich durch die Berge zu einer abenteuerlichen Pistenfahrt mit Regen und einem entgegenkommenden LKW, wo zumindest ich heute noch denke, dass er sich irgendwie verfahren haben musste. Unser Zusammentreffen (in einer Kurve!) war ganz schrecklich eng!

Die Landschaft blieb beeindruckend schön, auch wenn wir keinen blauen Himmel mehr sahen. Es wurde kühler und regnete oft. Eigentlich wollten wir in den Parque Nacional Queulat, aber der war montags tatsächlich geschlossen. Wir konnten es nicht fassen! Sommerferien, Hauptsaison, viel los: aber Nationalpark Montag zu ☹. Tickets gab es auch nur online für 12 Euro pro Nase (für Ausländer!) und der Dienstag war bereits ausgebucht, vermutlich wegen des Rückstaus von Montag.

Für die nächsten zwei Wochen waren Schnee, Regen und Kälte angesagt ☹. Was tun? Auch einen Übernachtungsplatz zu finden war nicht einfach. Nur „an der Straße stehen“ war etwas eng mit Muddy, die Campingplätze für nichts viel zu teuer. Aber wir fanden einen Stellplatz beim Campingplatz Herència Ventisquero um bei Regen darüber nachzudenken, wie wir weiter machten. 

Es regnete die ganze Nacht und war bei 3 Grad echt „frisch“ ☹. Auch morgens hörte es nicht auf (es sollte den kompletten Tag wie aus Kübeln schütten). Wir entschieden uns also schweren Herzens gegen den Parque Nacional Queulat. Zu gerne hätten wir den Ventisquero Colgante, einen bläulichen Hängegletscher gesehen. Außerdem gab es zahllose Wasserfälle die von Gletschern förmlich „herunterfallen“ sollten. Aber man sah die andere Straßenseite durch den Regen“vorhang“ schon nicht mehr. Es hätte also echt keinen Sinn gemacht. In Puyuhuapi wollte ich unbedingt noch ein Sauerteigbrot (!) kaufen, zumal es in vielen Supermärkten gar kein Brot gab. Sauerteigbrot stand auf IOverlander als Geheimtipp in der App. Wir klapperten auch drei Bäckereien ab, aber alle waren um 12.00 Uhr bereits ausverkauft. Übrigens Puyuhuapi: 1935 kolonisierten vier deutsche Einwanderer das Gebiet in den Fußstapfen ihres Landsmannes Hans Steffen. Ihre landwirtschaftliche Kolonie wuchs durch den Zuzug von Textilarbeitern aus Chiloe, deren Fähigkeiten zum Erfolg der Fabrica de Alfombras (Teppichweberei) beitrugen. Noch heute heißen die Straßen „Avenida Otto Uebel“ oder „Hamburg Straße“. Es gibt das „Casa Ludwig“ oder das „Restaurant/Hotel Rossbach“.

Wir fuhren die Carretera Austral weiter und verstanden, dass sie zu den Traumstraßen der Welt gehört. Auch wenn wir auf dieser Etappe aufgrund des Starkregens nur wenige Aussichten genießen konnten. Nach 200 km kamen wir in Chaitèn an.

Die Stadt liegt am Golf von Corcovado, rund 100 km östlich von Chiloé, der zweitgrößten Insel Chiles, und 200 km südlich von Puerto Montt. In der Umgebung von Chaitén liegen verschiedene Vulkane, nordöstlich der Michinmahuida, südlich der Corcovado und in direkter Nähe der Chaitén. Am 2. Mai 2008 brach der Vulkan Chaitén aus und bedrohte auch den gleichnamigen Ort, der daraufhin evakuiert wurde.

Am 4. November 1885 wurde die Gegend um Chaitén erstmals landrechtlich registriert. 1933 bestand Chaitén nur aus rund 30 Holzhäusern. Erst als 1938 ein Fährverkehr eingerichtet wurde, begann die Stadt zu wachsen. Mit der Carretera Austral begann dann der richtige Aufschwung der Stadt.

Wir wollten uns am nächsten Tag nach Fährverbindungen auf die Insel Chiloe erkundigen. Für die Nacht fanden wir ein einsames Plätzchen unterhalb von Chaitèn, am Golf von Corcovado am Strand. Gerade, als wir aus dem Fahrerhaus steigen wollten, fing es an zu hageln. Gott sei Dank nur kleine Hagelkörner.

Es regnete die ganze Nacht und den kompletten nächsten Tag. Und, was das Schlimmste war: es sollte laut Wettervorhersage in diesem Gebiet (und weit darüber hinaus) auch nicht mehr aufhören zu regnen. Vormittags rechneten wir die verschiedenen Möglichkeiten der Weiterfahrt aus (Preise für die Fährverbindungen und Dieselpreise). Dann fuhren wir nach Chaitèn und ließen uns die Preise vom Fähren-Büro genau sagen. Denn auf der Webseite gab es keine Tarife für unseren Exoten oder unsere Länge. Die Höhe war wohl egal.

Ziemlich geschockt verließen wir dann das Büro. Unsere Lieblingsoption, von Chaitèn mit der Fähre in ca. vier Stunden und 30 Minuten nach Quellon (Insel Chiloe, Chile) hätte uns 576 Euro gekostet. Das war zu teuer! Auf der Ruta 7 weiter hätten wir bis Puerto Montt ebenfalls eine oder zwei Fähren gebraucht und dann nochmals eine auf die Insel Chiloe (Dauer ca. 35 Minuten). Oder komplett mit Fähre bis Puerto Montt. ABER, wir mussten ja auch nach Bariloche, Argentinien unsere Wasserdurchfluss-Messer abholen (und möglichst einbauen). Also Entscheidung: auf der Ruta 7 wieder ein Stück zurück und über die Grenze nach Argentinien. Wir füllten den Kühlschrank und den Dieseltank und fanden sogar in einem kleinen „Kruscht“laden zwei passende Lampen für den Hauptscheinwerfer (24 Volt) für Muddy, denn nun war die andere kaputt.

Am nächsten Morgen mussten wir eine unserer Außenkisten, in die es rein geregnet hatte, trockenlegen. Auch die Fußräume im Fahrerhaus waren unter den Matten nass. Aber warum? Chrisi dichtete den Tür-Gummi noch zusätzlich ab, die Lampe wurde gewechselt und los ging die „wilde Fahrt“. Das Wetter war ein kleines bisschen besser, hin und wieder kam die Sonne raus und so sahen wir unseren bereits schon gefahrenen letzten Abschnitt der Carretera Austral nochmals von einer schönen Seite 😊. Als wir dann auf die Ruta 235 abbogen und eine Schlagloch-Piste vorfanden, schwante uns schon Böses! Am nächsten Abzweig auf die Ruta 231 nach Futaleufú, einem Rafting Hot Spot auf dem gleichnamigen Fluss, kam dann noch miesestes Wellblech dazu. Es war viel Verkehr auf einer engen Piste. Wir fuhren zwischen 17 und 19 km/pro Stunde und schafften es nur bis 21 km vor Futaleufú. Ca. 3 km abseits der „Straße“, auf einer kleinen Piste, gab es einen ganz wundervollen IOverlander Platz direkt am Rio Azul inmitten der schneebedeckten Anden. Chrisi fand einen Blinker (zum Fische fangen!) und machte sich gleich an die Arbeit, um im Fluss eine Forelle zu fangen. Ich behaupte immer noch, dass gar keine Fische im Rio Azul waren, aber o.k. bis Sonnenuntergang hatte Chrisi immerhin schon eine Schlingpflanze und ein Hölzchen gefangen 😉. Wir grillten unsere längst abgelaufenen Gummiwürstchen (und überlebten die Nacht 😉). Danach gabs ein Lagerfeuer in der Feuerschale und einen sehr beeindruckenden Sternenhimmel inklusive der Milchstraße.

Die 31 Kilometer bis zur Grenze waren schnell gefahren. Alles lief wieder unproblematisch.

Adios Chile!

Bienvenido Argentina!

Erwartungsgemäß wurde auch auf der argentinischen Seite die Piste nicht besser. Wir fuhren zum Parque National Los Alerces im argentinischen Teil Patagoniens. Er wurde 1937 gegründet und umfasst eine Fläche von 2.630 km² entlang der chilenischen Grenze. Er liegt durchschnittlich 900 Meter über dem Meer. Für Touristen ist nur ein beschränkter Teil des Parks zugänglich, der übrige Teil ist der Forschung vorbehalten. Der Park wurde eingerichtet, um die letzten Bestände der Patagonischen Zypresse (spanisch Alerce) zu schützen.

Dabei handelt es sich um eine extrem langsam wachsende und sehr langlebige Zypressenart. Die Bäume wachsen im Schnitt im Durchmesser nur 0,8 mm pro Jahr und können Höhen von bis zu 50 Metern erreichen. Das Alter der ältesten Bäume im Park wird auf etwa 2600 Jahre geschätzt.

Leider mussten wir erfahren, dass Teile des Nationalparks immer noch brannten (Brand von Anfang Januar) man nur ein kleines Stück reinfahren konnte und es am nächsten Tag entschieden werden sollte, ob der brennende Teil (vielleicht bis dahin unter Kontrolle) geöffnet werden könne. Allerdings wäre der Teil mit den ältesten Bäumen erstmal dauerhaft gesperrt. So fuhren wir weiter bis Esquel, wo man an einer Durchgangs-Schotterpiste eine Nacht kostenlos stehen durfte. Ein harter Kontrast zu unserem wildromantischen Stellplatz am Fluss die Nacht davor.

Am nächsten Tag machten wir uns auf Richtung Bariloche auf der Ruta 40, die gar nicht so schlecht war (wir waren ganz anderes gewöhnt 😉), aber sehr schmal mit viel Verkehr. Lag es am Samstag, dem nahenden Ferienende in neun Tagen oder dem schönen Wetter? Da Lago Puelo am gleichnamigen See (und Nationalpark) einen La Anonima (unseren argentinischen Lieblingssupermarkt) hatte und wir die ca. 300 km nach Bariloche sowieso in zwei Etappen fahren wollten, bot es sich für den ersten Stopp an. Wir gingen einkaufen und uiiiih, wir hatten wohl vergessen, wie teuer Argentinien war. Zum Übernachten durften wir auf einer hübschen Wiese von Freunden stehen mit schönen Pferden und vielen Stieren (Pferdeäpfeln und Kuhfladen). Umringt von Bergen und in der Sonne. Wir fühlten uns wie im Paradies!

Nach einer ruhigen Nacht kamen am nächsten Mittag unsere Freunde vorbei. Wir setzten uns in den Halbschatten und redeten (Englisch) sehr lange miteinander. Dann machten wir uns auf zu einer Wanderung, die dann doch über drei Stunden dauern sollte. Durch den (kostenlosen!) Nationalpark zum Strand des Lago Puelo. Es war Sonntag und entsprechend voll am „Playa“. Auf dem Rückweg stiegen wir noch zum „Mirador del Lago“ hoch, der es echt in sich hatte! Nachdem es auch noch sehr warm war (Chrisi sagte heiß 😊), freuten wir uns auf kalte Getränke vor Muddy. Plötzlich rotzte jemand von hinten Chrisi in den Nacken. Wir sprangen auf und hatten Besuch von zwei kleinen Stieren und einer riesigen Kuh!

Nach einem herzlichen Abschied begaben wir uns wieder auf die Ruta 40 und fuhren durch eine herrliche Berglandschaft nach Bariloche (ca. 140.000 Einwohner), eigentlich San Carlos de Bariloche (hier hat ja alles ganz lange Namen 😊).

Der Name „Bariloche“ stammt aus dem Mapudungun (der Sprache der Mapuche). Dort bedeutet das Wort Vuriloche „Menschen hinter dem Berg“ (furi = „hinter“, che = „Menschen“). Der Vuriloche-Pass wurde von den Mapuche benutzt, um die Anden zu überqueren und wurde vor den Europäern lange Zeit geheim gehalten.

Die knapp 1.600 km südwestlich der Landeshauptstadt Buenos Aires gelegene Stadt Bariloche liegt in einem Tal der südlichen Anden am Ufer des Sees Nahuel Huapi, der zu den größten Seen des Landes gehört. Die Berge Otto, Catedral und López liegen in der Umgebung. Südlich von Bariloche liegt der Cerro Catedral, ein bedeutendes Wintersportzentrum. Im Sommer wird der Ort wegen des angenehmen Klimas aufgesucht, im Winter wegen seines Skigebietes am Cerro Catedral, eines der größten und bedeutendsten Südamerikas. Auch ist Bariloche ein beliebter Ort für Ferienwohnungen, von denen viele im Besitz wohlhabender Argentinier aus Buenos Aires sind. In Argentinien ist Bariloche auch für die Schokoladenproduktion sowie das deutsche und schweizerische Kulturerbe bekannt.

Ohne große Hoffnung, dass wir auf dem IOverlander Platz direkt am Lago Gutierrez auch tatsächlich schlafen durften (und sogar gratis!) fuhren wir dorthin. Es gab zwei Mini-Foodtrucks, eine vielbefahrene Küstenstraße und eine Polizistin, die ich nach der Erlaubnis fragte. Es war kein Problem: wir durften! Nach dem Parken saßen wir noch am Strand, schauten Leute und genossen den tollen Blick auf die Berge. Per WhatsApp verabredeten wir uns für den nächsten Tag mit Bea, der Schwägerin von Christina (Schwester von Chrisis Freund Andreas), zur Abholung unserer Durchfluss-Messer und waren sehr gespannt, wann auf der Küstenstraße endlich Ruhe einkehren würde.

Ab 23.30 Uhr wurde es tatsächlich ruhig um dann gegen 6.30 wieder lauter zu werden (aber da musste ich eh aufstehen und Chrisi hat einen guten Schlaf 😉). Als wir mit allem fertig waren, hatten wir noch Zeit bis zum Treffen mit Bea. So fuhren wir ins Skigebiet von Bariloche. Skiorte sehen im Sommer ja oft etwas trostlos aus, aber der Skiort oben auf dem Cerro Catedral hat uns milde gesagt überhaupt nicht gefallen!

Zu Bea`s Haus war viel Verkehr und die Abbiegestraße war leider so eng und so niedrig (Bäume!), dass Chrisi im Auto wartete und ich die Durchfluss-Messer alleine abholte. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag zum Abendessen mit Bea in Bariloche. Denn wir wollten es tagsüber sowieso anschauen. Der einzige Campingplatz für „big rigs“ und wo man notfalls in die City laufen konnte, war der „Lago Azul“ und vor allem brauchten wir dringend Wasser. Der Druck dort war aber SO schwach, dass wir fast zwei Stunden brauchten (Gott sei Dank waren wir ganz alleine!) und, was noch schlimmer war, aufgrund des fehlenden Drucks funktionierten auch die neuen Durchfluss-Messer nicht ☹. Ach ja: Lago Azul ist nur ein Stellplatz! Es gab weder Duschen, noch ein WC. Es gab Strom, es gab Wasser, Müllentsorgung, eine Dumping Station, der „Check in“ war per WhatsApp und Bezahlung nur in cash möglich.

Und, was wir noch erfuhren: Es war überall so überfüllt, weil in Argentinien ein verlängertes Wochenende wegen Karneval war, obwohl der in Patagonien gar nicht stattfindet!

Vom Stellplatz aus waren es drei Kilometer an der Straße entlang bis Bariloche, die wir natürlich zu Fuß zurücklegten. Eine lange Blechlawine wälzte sich durch die Stadt. Eine besondere Sehenswürdigkeit gab es nicht. Zahllose Schokoladegeschäfte säumten die Hauptstraße. Leider war die Schokolade sehr teuer und nicht klar erkennbar, was sich in der Packung befand. Wir trafen uns um 17.00 Uhr mit Bea am Centro Civico, davor stand ein Reiterdenkmal von General Roca, ein argentinischer General und Politiker. Er war von 1880 bis 1886 und von 1898 bis 1904 Präsident von Argentinien.

Bea wollte uns gerne das Casa Frey zeigen. Es befand sich am Ortsanfang. Emilio Frey (* 2. Februar 1872 in Baradero, Argentinien; † 29. Mai 1964 in Bariloche, Argentinien) war ein schweizerisch-argentinischer Topograph. Ab 1896 konnte er seine in Europa erworbenen Kenntnisse als Mitglied der Comisión de Limites Argentina-Chile unter der Leitung von Francisco Perito Moreno anwenden (ja, der Name sagt der eifrigen Leserin/dem eifrigen Leser sicher etwas 😊). Diese Kommission wurde von der argentinischen Regierung mit der Grenzbereinigung in der Andenregion beauftragt. Topographische wie auch geologische Kenntnisse waren gefragt, weil die Wasserscheide zwischen Abflüssen in den Atlantik, respektive Pazifik nicht nur nach damaligem Stand, sondern auch auf Grund vorheriger erdmechanischer Veränderungen zu beurteilen war.

Die Casa Frey war ein hübsches historisches Haus in einem Garten mit altem Pflanzenbestand. Wunderschön! Was das Interessante war: patagonia, der Outdoor-Textilhersteller (sehr sehr hochpreisig!) hat das Gebäude gekauft, restauriert und verkauft nun seine Mode darin. Anschließend gingen wir Essen und hatten auf Spanisch und Englisch einen lustigen Abend!

Am nächsten Vormittag tankten wir notgedrungen nochmals die Wassertanks auf, entsorgten alles Mögliche und machten uns auf zum Circuit Chico. Der Circuito Chico in Bariloche ist eine malerische, ca. 30 km lange Panorama-Rundfahrt um die Llao-Llao-Halbinsel. Als erstes wollten wir die Colonia Suiza besuchen. Sie wurde um 1895–1899 von Einwanderer aus dem Schweizer Kanton Wallis gegründet. Viele Siedler kamen über Chile und ließen sich aufgrund der Ähnlichkeit zur Heimatlandschaft in der Region nieder. Aber unser Navi drehte völlig durch und schickte uns auf eine schlimme Piste, die immer schmaler wurde. Und nicht nur schmaler, sondern dicke Äste und zahlreiche Bäume hingen immer tiefer in den Weg. Sobald uns ein Auto entgegenkam, wurde es so knapp, dass wir uns alle Seiten inkl. der Fenster zerkratzten. Was noch schlimmer war, Colonia Suiza war so voll und kein Parkplatz zu finden (nicht mal, wenn wir ein „normales“ Auto gehabt hätten). Wir fuhren weiter, so dass wir auf der anderen Seite (nicht mehr so eng), nach einer Piste wieder auf den geteerten Circuit (und die Blechlawine) kamen. Nach etlichen Irrfahrten auf dem Rundkurs entschlossen wir uns doch noch die Colonia Suiza anzuschauen. Es musste einen anderen Weg geben! Wir fanden ihn auch, es war eine sehr schmale Teerstraße, aber immerhin. Was wir gar nicht fanden war a) einen Parkplatz und b) einen Schlafplatz! So checkten wir auf dem Campingplatz „Huenei-Ruca“, drei Minuten zu Fuß in die „Schweiz“ ein. Ach Du meine Güte! Wir hatten uns Disneyland vorgestellt, aber es gab nur Bretterbuden! Es war so hässlich, dass wir (fast) gar keine Motive zum Fotografieren fanden. So ließen wir den Tag am Strand ausklingen.

Es dauerte ein Weilchen, bis wir am nächsten Tag einen Parkplatz am Cerro Campanero fanden. Man kann zwar mit dem Sessellift fahren, aber wir wanderten natürlich hoch😊. War ein sehr steiler Aufstieg! Oben sollte man einen 360 Grad-Rundblick auf alle sieben Seen haben. Das schaffte der Aussichtspunkt nicht ganz, aber es war sehr schön! Danach fuhren wir (in einer Blechlawine) nochmals zum Lago Gutierrez, machten einen Strandtag (Chrisi war sogar zweimal im Wasser!) und übernachteten nochmal dort.

Bis um 04.00 Uhr morgens war soweit alles ganz ruhig, dann wachten wir Beide auf! Wer bewarf uns mit Kies? Nein, es klang nach Wasser! In gleichmäßigen Abständen. Chrisi wollte schon vor die Haustüre und nachschauen, was er dann nicht tat, denn es war der Rasensprenger des Golf- und Country Clubs, der bis weit über die Straße sprenkelte; aber mit einem massiven Druck (den bräuchten wir mal zum Wasser füllen!). Jedenfalls ergoss sich regelmäßig unter Getöse ein Schall Wasser gegen den Shelterboden und das bis exakt 7.10 Uhr! Wir verließen nach tatsächlich fünf Nächten Bariloche und Umgebung. So lange wollten wir gar nicht bleiben. Aber das Wetter war auch herrlich gewesen: knallblauer Himmel und um die 33 Grad 😊.

Auf der Ruta 40 fuhren wir durch den Parque Nacional Nahuel Huapi. Die Ruta 40 heißt hier auch „Ruta de los siento Lagos“, die Route der sieben Seen. Wunderschön! Eigentlich wollten wir in Villa La Angostura bleiben und das kleine Bergdorf anschauen, aber es war SO touristisch und SO überfüllt, dass wir nach erfolgloser Parkplatzsuche weiterfuhren. Bald kam die Grenze Argentiniens – Ausreise – völlig problemlos – wie immer! Dann schraubten wir uns einen Pass hoch auf 1.240 m und wieder runter. Es war ziemlich viel Verkehr auf beiden Seiten! Dann kam noch eine Baustelle, wo wir SEHR lange warten mussten bis es einspurig weiter ging. Endlich, es war schon nach 17.30 Uhr kamen wir zur Grenze nach Chile. Das übliche Prozedere: wir einreisen – nächster Schalter – Muddy und Pony einreisen. Dann zum Computer Formular ausfüllen bezüglich der „gefährlichen Lebensmittel“. Dann Muddy holen und vorfahren. Dieses Mal waren es zwei junge Damen. Die eine war mit mir im Shelter und schaute ÜBERALL rein, die andere ließ sich von Chrisi draußen alles aufschließen. Das war aber noch nicht genug! Für den letzten Stempel mussten wir noch in eine große Lagerhalle fahren, wo Muddy mit radioaktiven Strahlen beschossen und durchleuchtet wurde. Da gings dann um Waffen und Drogen! – Kein Kommentar!

Adios Argentina!

Bienvenido Chile!

Durch ein sehr schönes Tal fuhren wir weiter und suchten nach einem kostenlosen Schlafplatz. Es war keiner zu finden! Um 19.45 Uhr fuhren wir dann von der Ruta 215 ab und auf einen winzigen Feldweg zum Campingplatz „Los Copihues“ am Lago Puyehue. Eigentlich waren wir viel zu groß und zu lang. Aber die Eigentümerin räumte auf dem Kinderspielplatz kurzerhand zwei Wippen weg und unser Stellplatz war gefunden 😊!

Als erstes gings am nächsten Morgen zum Einkaufen in einen kleinen Supermarkt. Um Osorno (Stadt) zu umfahren fuhren wir über Landstraßen, die aber sehr enge und niedrige Pisten waren, Richtung Puerto Montt. Das Wetter war trotz ein bisschen Niesel am Morgen nochmal richtig sonnig und schön! Wir fuhren bis Frutillar, welches 1858 gegründet wurde und eine sehr deutschgeprägte Stadt ist. 2017 hatte sie 18.430 Einwohner. Der Name Frutillar geht auf die Chile-Erdbeere (span. frutilla chilena), die in der Region wächst, zurück.

Frutillar liegt an einer Bucht am Westufer des Lago Llanquihue, mit rund 860 km² der zweitgrößte See Chiles. Blickt man von Frutillar auf die gegenüberliegende Seeseite, sieht man dort den mächtigen Vulkan Osorno mit seinen 2.652 m Höhe.

Wir beschlossen, in Frutillar zu bleiben und ein paar Stunden „Urlaub“ zu machen. Frutillar war tatsächlich sehr deutsch. Neben der chilenischen Flagge wehte die deutsche und überall gab es „Kuchen“ 😉. Es gab ein Restaurant „Casa Lindemann“ und einen Supermercado „Winkler“. Die alten Holzhäuser die Strandpromenade entlang waren sehr schön! Am Strand fand ein Beachvolleyball-Turnier statt und jede Menge Menschen genossen den Spätsommer. Es war kein Parkplatz geschweige denn Schlafplatz zu finden. Aber wir fanden den günstigen Camping „La Gruta“, wo man super schnell an den Strand laufen konnte. Allerdings musste Muddy einen extrem steilen Berg hochklettern (er ächzte schwer). Sogar vom Stellplatz aus hatten wir einen Traumblick auf den Vulkan Osorno, den wir aber erst später, nach unserem Ausflug in den Süden auf die Insel Chiloe, besuchen wollten.

Wir kamen schon relativ früh weg, weil es regnete und wir Bedenken wegen der steilen Piste hatten, aber für Muddy war es kein Problem. Auf der Ruta 5, dem Teil der Panamericana, der in Chile endet (im Süden der Insel Chiloe) fuhren wir an Puerto Montt vorbei zum Fährhafen Pargua. Das Teilstück der Panamericana war mautpflichtig und kostete uns ca. 12 Euro für ca. 100 km. Die Fähre wartete schon und schipperte für ca. 27 Euro nach Chiloe.

Chiloé (Huilliche: „Möweninsel“, spanisch Isla Grande de Chiloé, deutsch „große Insel von Chiloé“) ist eine chilenische Insel im Pazifik. Länge: 180 km (von Nord nach Süd), Breite: 50 km, Fläche: 8394 km², Einwohner: ca. 150.000 (davon sind die meisten indigene Huilliche).

Das Klima ist außerordentlich feucht; Regen ist überaus häufig – was wir durchaus bestätigen können!

Die Insel gilt neben Peru als eine der möglichen Urheimaten der Kartoffel. Noch heute werden dort ca. zweihundert Kartoffelsorten angebaut (z. B. die Sorte Michune Azul), die sich in Form, Farbe und Geschmack von den in Europa bekannten unterscheiden.

Wir fuhren noch bis Ancud, eine sehr belebte Stadt (ca. 29.000 Einwohner) ohne Parkplatz und am Montag natürlich mit geschlossenem Museum. So fanden wir auf dem Camping „Arena Gruesa“ (der riesen Garten eines Hotels auf einer Klippe) ein paradiesisches Plätzchen mit grandiosen Ausblicken auf vorgelagerte Inseln und den Pazifik. Und, wir waren sogar ganz alleine 😊!

Ancud wurde 1768 bereits gegründet. 1895 begann mit der Ankunft von sieben Familien aus Deutschland die deutsche Besiedlung der Gegend. Vielleicht gibt es deshalb in einer Bäckerei in Ancud das beste Sauerteigbrot außerhalb von Deutschland! Am 22. Mai 1960 wurde Ancud von einem schweren Erdbeben mit anschließendem Tsunami stark zerstört.

Am nächsten Morgen verlängerten wir noch um eine Nacht und spazierten ca. 20 Minuten in die Innenstadt ins „Museo de las Iglesias de Chiloe“ (dem Holzkirchen-Museum). Es ist im ehemaligen Convento Inmaculada Concepción de Ancud von 1875 untergebracht und beherbergt maßstabsgetreue Holzmodelle aller 16 Holzkirchen auf Chiloe und benachbarter Inseln, die die aufwendigen Holzarbeiten auch in deren Inneren zeigen. Sie sind seit dem Jahr 2000 UNESCO-Weltkulturerbe und verbinden europäische Architektur mit lokaler Schiffsbaukunst. Die Kirchen wurden aus einheimischem Lärchen- und Zypressenholz errichtet und von Holzdübeln anstatt mit Nägeln zusammengehalten. Die Fassaden der Kirchen wurden oft in leuchtenden Farben angestrichen. Auch die Innenräume sind meistens farbenfroh gestaltet. Die Ausstellung war mit Sicherheit eine gute Vorbereitung auf unsere Besichtigungs-Tour über die Insel. Und wen trafen wir im Museum? Tanja und Gunnar! Die Wiedersehensfreude war groß und wir verabredeten uns für den nächsten Tag an einem einsamen Strand ganz im Norden, wo man angeblich Delfine sehen konnte.

Chrisi und ich gingen anschließend noch zum Fuerte San Antonio. Die alte spanische Festung wurde 1770 errichtet. Während der Unabhängigkeitskriege war diese Festung aus dem frühen 19. Jahrhundert der letzte spanische Außenposten in Chile! Auf ihr wehte bis zum 19. Januar 1826 die spanische Flagge.

Das Wetter war (noch) herrlich und wir beschlossen einen Schönheitstag einzulegen, inkl. Haare schneiden und laaaange heiß duschen 😊. Laut Schild gabs zwar nur von 20.00 bis 23.00 Uhr heißes Wasser in der Dusche, aber es klappte schon um 18.30 Uhr! Gott sei Dank, denn Sonne weg = eiskalt! Und die Zeiten, wo es um 23.30 Uhr noch hell war, waren leider vorbei. Es „herbstelte“ schon ein bisschen in Patagonien.

Wir probierten nochmals unsere Durchfluss-Messer. Chrisi installierte einen am Ausgangswasserschlauch im Shelter, damit wir wussten, wie viel Liter raus gehen um dann genau diese Anzahl an Litern wieder nachzufüllen. Bei dem Druck auf dem Campingplatz waren die Tanks schnell gefüllt. Dann noch einkaufen mit den Rucksäcken und los gings wieder. Leider wies uns das Navi beim Abbiegen wirklich den schnellsten Weg ☹! Es war ein Feldweg mit Brombeer-Hecken und stachligen Hagebuttensträuchern oder so etwas ähnlichem. Wir kämpften uns durch! Als ein wahnsinnig tiefhängendes Stromkabel den Weg versperrte, wollte ich wenden – wir fuhren weiter. Mit Hilfe der Teleskopstange und der „eingebauten“ Astgabel konnte ich es hochdrücken. Es wurde noch enger! Zweige kratzten am Shelter. An einer verlassenen Farm wollte ich das zweite Mal umdrehen. Wir liefen beide den Weg ab, aber Chrisi meinte, es wäre nur noch 1 Kilometer zur Teerstraße. Wir fuhren weiter. Am nächsten Stromkabel zerbröselte die Astgabel, weil es so dick war und die Tanne in der Kurve war absolut stabil! Ich hängte mich an die Zweige und zog sie von Muddy weg. Chrisi gab alles! Fuhr durch tiefe Schlammlöcher und am Stacheldrahtzaun beherzt vorbei. Nach einer Tiefsandpassage gings auf eine Teerstraße, durch ein Dorf und eine Piste zum Stellplatz, Punta Corona Bluff, wo Tanja und Gunnar sich schon wunderten, wo wir blieben: ja, wir waren die Abkürzung gefahren 😉!!

Tatsächlich sahen wir noch einen Delfin in der Bucht. Tanja hatte extra Linsen und Spätzle gekocht, wir spendierten die (chilenischen) Saiten (Gummi) Würstchen und fanden, dass Linsen und Spätzle glücklich machen. Es war so lecker! Vielen Dank euch Beiden!

Schon beim Frühstück sahen wir in der Bucht jede Menge Weißbauchdelfine beim Jagen. Gegen später kamen Tanja und Gunnar vom Morgenspaziergang und berichteten von zahllosen Brombeerbüschen am Weg. Und, sie hatten uns tatsächlich welche übrig gelassen! Wir wanderten auch ans Ende der Straße und die Klippen runter und sahen merkwürdig geformte „Dinger“ auf dem Boden, wo wir erst dachten, sie wären aus Eisen und mal ein Fundament gewesen. Vielleicht sind es auch Luftblasen, die ein Lavastrom vor langer Zeit hinterlassen hat?! Geologe sollte man sein! Auf dem Rückweg sahen wir jede Menge Delfine von oben in der Bucht. Wir gingen zu Viert an den Strand und beobachteten riesen Delfinschulen, die offensichtlich sehr viel Spaß hatten. Ein wunderschönes Erlebnis! Handy und normale Kamera von uns konnten die pfeilschnellen Tiere nicht aufnehmen (o.k. ein Bild ist einigermaßen gelungen 😉) . Aber Gunnar stellte uns drei Bilder von sich zur Verfügung (vielen Dank!).

Dann kamen echt dunkle Wolken über die Bucht; es nieselte, war kalt und windig☹. Also stürzten wir uns auf die Auswahl der Bilder für den Februar-Bericht.

Das Wetter wurde nicht besser! Es regnete ständig und dann kam noch ganz viel Wind dazu. Bei Tanja und Gunnar, gabs von Tanja, aus den gepflückten Beeren frischgebackenen Brombeerkuchen (so geil, vielen Dank Tanja😊).

Nachdem neben noch mehr Regen auch noch Sturm angesagt wurde, verließen wir die Klippe zwei Stunden nach Tanja und Gunnar und einem herzlichen Abschied von den Beiden. Penibel achteten wir darauf, vom Navi nicht wieder auf eine Piste gelockt oder im Zick-Zack durch Ancud geleitet zu werden.

In Castro, der Inselhauptstadt mit ca. 44.000 Einwohner, war es wahnsinnig schwer einen Übernachtungsplatz zu finden, zumal auch noch Samstag war, wo man stets aufpassen muss, wo man steht. Alle Punkte, die wir anfuhren waren voll geparkt bzw. mit unserem LKW eh nicht machbar ☹. Castro ist übrigens die drittälteste Stadt Chiles, die seit ihrer Gründung 1567 ununterbrochen bewohnt ist.

So fuhren wir dann doch zu Julia`s Farm, dem „Camping Turismo La Chacra“ etwas außerhalb von Castro. Die erste Straße hätten wir gar nicht fahren dürfen (für LKWs gesperrt), die zweite war so schmal und steil, dass wir dachten, wir wären schon wieder falsch! Neben einer Schafherde auf einer Wiese und ganz alleine fanden wir ein schönes Plätzchen. Wir waren gespannt auf die Nachtruhe, denn eine Hochzeitsgesellschaft mit großer Fiesta wurde uns angekündigt.

Ob wir schlafen konnten, ob wir es trotz des anhaltenden Regens noch schafften die Holzkirchen zu besichtigen und wo uns die Reise noch hinführt, folgt in unserem März-Bericht.

Bis dahin Euch alles Gute von den

0 Kommentare

  1. Moin, sehr sehr schön und kurzweilig beschrieben. Schön Euch wieder zusehen und ja, lecker war es auch noch. Herrliche Geschichten dazu machen unser Nomadenleben so schön. Danke für Eure Gesellschaft, bis zum nächsten Mal. Alles Liebe Tanja und Gunnar

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