Von Rio Grande, Feuerland, Argentinien nach Perito Moreno, Lago Buenos Aires, Argentinien
Wir verließen Rio Grande, Argentinien mit dem sicheren Gefühl, dort das letzte Mal gewesen zu sein und fuhren durch die Pampa bis zur argentinischen Grenze nach San Sebastian. Dort tankten wir wieder voll und reisten (alle vier 😊) problemlos aus. Nach gut acht Kilometern kam die Grenze nach Chile und uns traf fast der Schlag! Eine riesige Menschenmenge schlängelte sich bereits außerhalb des Gebäudes entlang. Das würde dauern! Wir standen draußen, es nieselte und wir versuchten online schon mal das Formular für die Einfuhr von Obst, Gemüse und Fleisch auszufüllen, was leider nicht gelang. Einreise von uns vier wieder unproblematisch und am Schalter 3 gab es dann Gott sei Dank ein Formular um es mit der Hand am Arm auszufüllen 😊. Danach kam die Kontrolle des Kühlschranks durch einen offiziellen Mitarbeiter, die Abgabe des Knoblauchs (die offene Salami durften wir behalten!) und weiter gings. Immerhin brauchten wir nur eine Stunde und 15 Minuten!
Adios Argentina!
Bienvenido Chile!
Wir kamen nur noch bis Cerro Sombrero 😉. Gerade als ich an der Hotelrezeption des Hotels Tunkelen fragte, ob wir wieder auf dem Parkplatz übernachten dürften, kam die Meldung auf die APP des Hotelbesitzers, dass die Fähre über die Magellanstraße (Bahia Azul war ca. 36 km weiter) ihren Dienst aufgrund des Sturms eingestellt habe und nun geschlossen werde. Wir versuchten in Cerro Sombrero noch chilenische Pesos am Geldautomaten beim Visitor Center zu bekommen, was leider nicht klappte. So fuhren wir zur Fähre …. und in den Stau ☹. Aber, wir hatten Glück, weil die Fähre (bestimmt aufgrund der Sommerferien größer war, passten wir noch drauf. Auf der anderen Seite kamen wir bis Cabeza del Mar (wo war das Dorf?) und schließlich an der Tankstelle Transpetrol an. Auf der ganzen Strecke gab es keine Stadt, kein Dorf, keinen Supermarkt und keine Möglichkeit an Bargeld zu kommen!






Am nächsten Vormittag fuhren wir die 30 km nach Punta Arenas. Unterwegs suchten wir den Campingplatz aus IOverlander, der auch für große Camper geeignet hätte sein sollen. Aber durch das Steintor wäre nicht mal die flachste Aufsetzkabine durchgegangen ☹. Und als Krönung hing noch ein Stromkabel ganz tief über die Fahrbahn. Das war schon mal nichts! Aber wir hatten ja noch mehr Koordinaten 😊. Als erstes mussten wir sowieso den Kühlschrank füllen. Wir wollten zu „Lider“, eine chilenische Walmart“Tochter“. Aber wir fanden keinen Parkplatz; Muddy war zu hoch / zu groß für die Tiefgarage 😉. Wir fanden jedoch einen Baumarkt, denn wir brauchten Motoröl (hatte er nicht), Silikonspray für den Durchstieg (hatte er nicht) und „Grease“ (Fett zum Abschmieren) (hatte er nicht). Aber der Parkplatz war dafür nur einen Block von Lider entfernt und der freundliche Sicherheitsmann genehmigte uns das längere Parken (wenn er gewusst hätte, wie lange!). Im Lider-Gebäude fanden wir zuerst eine Bank, wo das Abheben von Bargeld klappte. Dann fanden wir -nach viel Fragen auf Spanisch)- sogar einen Telefonladen, wo wir eine SIM-Karte kaufen konnten. 1 GB für 7 Tage für 3,40 Euro, zur Aktivierung brauchten wir aber den Reisepass, der Personalausweis reichte nicht aus. Außerdem war 14.30 Uhr und Mittagspause! Aber um 15.30 Uhr wäre sie wieder zurück, teilte uns die sehr freundliche und geduldige junge Frau mit. O.k., sagten wir, dann gehen wir erst mal einkaufen. Ach, herrlich, dieses Walmart-Feeling! Es gab einfach alles und sogar noch Motoröl! Der Laden war brechend voll und entsprechend voll waren auch die Kassen ☹. Dann mussten wir den Einkaufswagen auch noch bei Regen bis zu Muddy zerren, Treppe runter machen und alles einräumen. Eine ältere Dame parkte dann auch so ungeschickt, dass wir die Treppe nicht mehr aufräumen konnten. Ob die Treppe nachher bei diesem Chaos noch da war?!
Mit dem Reisepass und dem Einkaufswagen gings wieder einen Block zurück zur Aktivierung der SIM-Karte. Da 1 GB viel zu wenig war, mussten wir einen Laden weiter in eine Apotheke mit Drogerie. Dort mussten wir sogar ein Ticket ziehen! Nach einer Wartezeit konnte man uns nicht groß beraten, aber wir erstanden für 9,40 Euro ein unlimitiertes Paket, aber nur für 14 Tage (oder waren es 7 oder waren es 30 Tage? So genau konnte man es uns nicht sagen)! Da wir immer noch nicht wussten, wo wir in Punta Arenas schlafen wollten, mussten wir die Koordinaten abfahren. Es ist immer wieder erstaunlich, wo die Menschen übernachten und dies dann auch noch auf IOverlander stellen! Der „Carpark Waterfront“ ging gar nicht und die „Parking lot“ schon dreimal nicht. So landeten wir ca. 12 Kilometer außerhalb von Punta Arenas, aber immer noch an der Magellanstraße bei Karin`s Farm, der Parcela Pampa mia 😊.
Karin`s Farm war für mich ein Traum! Es gab vier Welpen und vier junge Kätzchen (knapp zwei Wochen alt) 😊! Aber auch sonst war es ein sehr schöner Platz, so dass wir uns entschieden, Silvester dort zu verbringen. Es war der 30.12. und wir wollten das Motorrad runter machen um eine Stadtbesichtigung zu machen. Aber es blies ein so starker patagonischer Wind, dass es unmöglich und eigentlich zu gefährlich war. Karin hatte ein großes Gewächshaus und den herrlichen Salat verkaufte sie an Hotels und Läden in Punta Arenas. Sie nahm uns gerne mit in die Stadt. Wir mussten dann ins Zentrum noch ca. 30 Minuten laufen, aber wir sind ja gut zu Fuß.







Die chilenische Hafenstadt Punta Arenas (spanisch für „sandige Bucht“), die als südlichste Großstadt der Welt gilt (ihr erinnert euch sicher?!) hat etwa 124.000 bis 126.000 Einwohner und liegt in Südpatagonien.
Die Kolonie wurde am 18. Dezember 1848 gegründet und diente zunächst als Strafkolonie, später dann als Freihafen. Im Jahr 1875 betrug die Einwohnerzahl gerade mal 915, im Jahr 1884 bereits 4.000 und es gab in 16 Estancias (große Farmen) 40.000 Schafe, 6.000 Rinder und 2.000 Pferde.
Als Station an einer der wichtigsten Handelsstraßen der Welt wurde der Ort wohlhabend. Ihren ersten großen Aufschwung hatte sie während des kalifornischen Goldrausches, als sie als Anlaufhafen für die Klipper-Schiffe diente. Als mächtigste wirtschaftliche Akteure der Stadt etablierten sich Ende des 19. Jahrhundert der aus Asturien eingewanderte José Menéndez, der portugiesischstämmige Walfangunternehmer José Nogueira und die Familie Braun. Deren Tochter, Sara Braun (* 16. Dezember 1862 in Talsi, Kurland, heute Lettland; † 22. April 1955 in Viña del Mar, Chile), heiratete später José Nogueira, ihr Bruder Moritz (Mauricio) die Tochter von José Menéndez! Sara Braun erlangte als eine der mächtigsten Geschäftsfrauen der Region großen Reichtum und prägte die Entwicklung Patagoniens und Feuerlands entscheidend mit, aber sie war auch an der gewaltsamen Dezimierung der indigenen Selk’nam beteiligt.
Übrigens: Als wir den Monte Leon Nationalpark, Argentinien besuchten, besichtigten wir dort auch die große Schafsfarm mit damals 40.000 Schafen. Der Eigentümer dieser Farm war José Menéndez aus Punta Arenas, Chile!
Auf der Plaza de Armas (Platz der Waffen) steht ein Denkmal für Ferdinand Magellan, zu dessen Füßen zwei geschlagene indigene hocken. Der Sage nach kehrt man nach Punta Arenas zurück, wenn man den großen Zeh eines indigenen küsst bzw. anfasst.
Natürlich stehen an der Plaza de Armas auch die Villen der oben genannten Großgrundbesitzer. Eine prächtiger, als die andere.
Am Strand vor der Stadt sind drei historische Segelschiffe als Wellenbrecher auf Grund gesetzt worden. Unter anderem das erste eiserne Segelschiff der Welt mit vier Masten, erbaut 1875.







Sara Braun

Sara Braun


José Menéndez









An Silvester fuhren wir mit einem jungen Lehrerpaar aus Tübingen, die ihren Mietwagen abgaben und nach Hause flogen, in die Stadt. Wir wanderten zum Friedhof „Cementerio Municipal Sara Braun“. Die Grabinschriften (auf Spanisch, auf Englisch, auf Kroatisch, wenige auf Deutsch) zeugen von der Einwanderungsgeschichte der Stadt. Die Einwohner der Stadt behaupten, es sei „der schönste Friedhof der Welt“, für manche ist es der Schönste von Südamerika. Für uns war er beides nicht. Wir stellten nur fest, dass die Menschen sehr jung verstorben waren. Normalerweise kostet der Friedhof sogar Eintritt, aber da es an Silvester üblich ist, seine Angehörigen auf dem Friedhof zu besuchen, war er kostenlos. Auf dem Friedhof gibt es die berühmte Grabstätte des „Indio Desconocido“ (unbekannter Indianer), die ein Ort der Volksverehrung ist. In den 1960er Jahren begannen die Menschen, die Grabstätte zu verehren, Kerzen aufzustellen und für sein Seelenheil zu beten. Gläubige berichten, dass das Berühren seiner Statue Wünsche erfüllt und Glück bringt (unter uns: Es handelt sich nicht um einen Jungen, sondern um die sterblichen Überreste eines indigenen Mannes, der um 1936 tot aufgefunden wurde und vermutlich beim Streit um wertvolle Robbenfelle starb. Aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge). Auf dem Friedhof befindet sich auch ein Gedenkstein für Admiral Maximilian von Spee (genau, die Geschichte in Montevideo mit dem Anker 😊).

José Menéndez







Admiral Maximilian von Spee

José Nogueira

Sara Braun
Wir waren bestimmt 3 – 4 Stunden auf dem Friedhof und ziemlich durchgefroren. Mit dem Uber gings zurück zu Muddy Silvester-Menü“ machen. Es gab Würstchen (draußen gegrillt, wo es bitterkalt und windig war) und den besten Salat seit wir in Südamerika waren (natürlich von Karin 😊). Um Mitternacht war Totenstille, da Feuerwerk in Chile verboten ist. Ein seltsames Gefühl! Wir hatten dennoch viel Spaß beim Merengue tanzen und singen im Shelter bis 2.30 Uhr 😊. Den Neujahr-Tag ließen wir ganz ruhig angehen, duschten, machten eine kleine Wanderung, fütterten alle Tiere (Karin war bei der Verwandtschaft) und freuten uns auf die weitere Reise, bis das Display für die Wassertankanzeige ausfiel (dauerhaft!) und die Kühlschrankbeleuchtung rot blinkte. Den restlichen Tag/Abend verbrachten wir mit der Fehlersuche und Recherche, wo wir eventuell Ersatzteile kaufen konnten. Der Kühlschrank beruhigte sich wieder, das Display nicht ☹.
Am nächsten Tag mussten wir zum Wassertank füllen das komplette Bett abbauen, damit ich per Fingerspitze den Wasserstand im Tank fühlen konnte, während Chrisi draußen mit dem Schlauch auffüllte . Wir hatten darauf überhaupt keinen Bock und dachten darüber nach, einen (oder fünf?) Wasserdurchfluss-Messer zu kaufen, anhand derer wir feststellen konnten, wieviel wir auffüllen mussten. Leider fanden wir im Internet keinen. Karin half uns sofort, als wir ihr die Situation schilderten. Sie rief sämtliche möglichen und unmöglichen Geschäfte in Punta Arenas an, aber keiner hatte so ein Teil ☹. Nachdem wir alles wieder zusammengebaut hatten, verabschiedeten wir uns sehr herzlich von Karin und ihrem Mann Gerry. Wir hatten uns auf der „Parcela Pampa mia“ sehr wohl gefühlt! Karin ist sehr liebenswert und warmherzig. Wer in der Nähe von Punta Arenas ist: unbedingt dort übernachten! Auch der Abschied von den Welpen war schwer; am liebsten hätten wir alle vier mitgenommen 😊





Wir fuhren weiter in den Süden, bis zum Ende der Ruta 9, die zum Schluss nur noch eine Schlammpiste war, denn es regnete seit Stunden ununterbrochen. Ganz bis zum südlichsten Punkt des amerikanischen Kontinents kamen wir nicht. Entweder man kommt per Schiff dorthin oder auf einer viertägigen Wanderung. Leider fanden wir nicht mal einen Parkplatz, weil es so voll war (o.k. es war auch ein Mini-mini-Parkplatz). Vielleicht versuchten wir es ja am nächsten Vormittag nochmals? Wir fanden einen Übernachtungsplatz direkt neben der Piste an der Puente (Brücke) San Pedro, mit Blick auf die Magellanstraße und machten eine längere Wanderung am Strand entlang. Es war nach 21.00 Uhr, als wir ca. sechs kleinen Delfinen vom Shelterfenster aus beim Jagen zuschauten 😊.
Am nächsten Morgen machten wir nochmals einen Versuch und fuhren ans Ende der Ruta 9, aber es war noch voller, als am Freitag (klar! 😉). Gott sei Dank kann Chrisi auf einer Briefmarke wenden, so dass wir umdrehen und rausfahren konnten. Halb Punta Arenas und das ganze Umland schienen sich dort zum Zelten und Grillen zu treffen. Es hatte grauen Himmel, war kalt und nieselte, aber so sagte schon Karin „ich lebe hier, wie könnte ich, wenn mir Regen etwas ausmachen würde“. Und so zeltet man in Patagonien, wenn in Deutschland kein Mensch mehr vor die Türe geht!

Fin del Camino






Wir fuhren weiter zum Fort Bulnes zur Besichtigung. Das „Fuerte Bulnes“ ist eine historische Befestigungsanlage an der Magellanstraße, etwa 62 km südlich von Punta Arenas, die 1843 zur Sicherung des chilenischen Anspruchs gegründet wurde. Die heutige Anlage ist ein originalgetreuer Wiederaufbau aus den 1940er Jahren, der Einblicke in die frühe Kolonialzeit Patagoniens bietet. Es war die erste chilenische Siedlung in der Region, scheiterte jedoch an den extremen Wetterbedingungen und wurde später zugunsten von Punta Arenas aufgegeben.



(von Robert FitzRoy)








Anschließend machten wir noch eine Küstenwanderung und besuchten dann Puerto del Hambre, auch um dort zu schlafen.
Puerto del Hambre (Hungerhafen) ist ein historischer Naturhafen an der Magellanstraße. Im Jahr 1584 verhungerten hier fast alle Siedler einer spanischen Expedition, was dem Ort seinen Namen gab (uns war nicht klar, wie man an diesem Ort verhungern konnte!).
Im kleinen Hafen lagen viele Fischerboote und viele davon kaputt. Warum konnten wir nicht rauskriegen. Wir fragten, ob wir im Hafen schlafen dürften und es gab keine Probleme. Ein Fischer sagte sogar wir könnten solange bleiben, wie wir wollten 😊. Wir machten noch einen großen Topf Spaghetti und freuten uns danach über die Stille an diesem Ort.
Nach einer ruhigen und guten Nacht machten wir uns wieder auf nach Punta Arenas zurück. Oben an der Kreuzung befand sich eine Art Stele (Centro del Geografico Chile), welche die Hälfte der Strecke zwischen dem Südpol und der chilenischen Grenze mit Peru markierte.








Geografico Chile
In Punta Arenas suchten wir beim „Baumarkt“ noch nach Wasserdurchfluss-Messern (es gab überhaupt nichts in der Hinsicht) und kauften beim Lider (Walmart 😉) nochmals ein. Wie leicht alles geht, wenn man sich auskennt 😊. Unser Nachtlager schlugen wir wieder bei der Transpetrol auf. Sie lag geschickt an der Ruta 9 Richtung Puerto Natales, dem „Tor“ zu unserem nächsten Ziel, dem „Parque Nacional Torres del Paine“. Obwohl wir an der Tankstelle auch schon reichlich „Fauna“ hatten 😊.




Die Strecke war ganz hübsch, mit vielen gelben Blümchen auf grünen Wiesen, aber brutal viel Wind! Die Landschaft wurde immer hügeliger, bis man in weiter Ferne Berge (auch mit Schnee!) sah: Andenausläufer) In Puerto Natales fanden wir keinen Parkplatz, obwohl es nur ca. 20.000 Einwohner hat.
1894 nannten die deutschen Einwanderer Ernst von Heinz und Kurt Meyer einen von ihnen am 24. Dezember entdeckten kleinen Fluss im Norden der heutigen Stadt Natalis (nach Christi Geburt). Von diesem Fluss erhielt Puerto Natales seinen Namen. Die Siedlung liegt am Ultima-Esperanza-Fjord. Das Klima ist ganzjährig rau mit kalten Wintern.
Wir parkten in der Bucht außerhalb, ca. 2 Kilometer vom Zentrum entfernt und spazierten rein. Im Touristen-Infocenter bekamen wir nicht viele Infos, aber die Angestellte schickte uns direkt zur Parkverwaltung des Torres del Paine (CONAF) und dort gab es dann von einer sehr freundlichen Dame umfassende Infos, sogar auf Englisch. Im Park gab es also kostenpflichtige Campingplätze (pro Nacht ca. 40 Euro!) und für die 5-Tages-Wanderungen kostenlose Zeltplätze. Aber da Muddy absolut autark ist, erfuhren wir, dass es sogar zwei Stellen gab, wo wir kostenlos an den jeweiligen Ranger Stationen schlafen dürften. Die Eintrittskarten (ca. 34 Euro) müssten wir selbst online bestellen, sie wären für drei Tage gültig und man könne den Park abends auch verlassen und am nächsten Tag wieder reinfahren. Natürlich, wie immer: den gesamten Müll mitnehmen. Wir bedankten uns und erstanden einen Block weiter eine Patrone Fett zum Abschmieren, wussten aber nicht, ob es auch das richtige war.
Nach einem ausgiebigen Stadtbummel und zurück bei Muddy beschlossen wir einfach, auf dem Parkplatz stehen zu bleiben und dort zu übernachten. Plötzlich hatten wir kein Internet mehr, obwohl wir angeblich unlimitiertes für wie viele Tage auch immer gekauft hatten. Nun mussten wir am nächsten Tag nochmals ins Städtchen laufen, Entel suchen und das klären.
Wir waren ewig in Puerto Natales unterwegs, aber niemand konnte (oder wollte) uns helfen. Endlich fanden wir in einer Apotheke einen sehr hilfsbereiten jungen Mann, der sogar beim Kundenservice von Entel anrief, weil es sonst wieder nicht geklappt hätte. Nach dem Tanken machten wir uns auf zum Parque Nacional Torres del Paine. Die Fahrt war wunderschön und wir näherten uns den berühmten Granitfelsen immer mehr.
Eigentlich wollten wir an der Ranger Station gleich die Eintrittskarten für den nächsten Tag kaufen, aber das ging nicht (immer nur für den gleichen Tag). So fuhren wir zum Übernachten eine wahnsinnig tolle Piste zur Laguna Azul, wo man (laut Ranger Station) kostenlos schlafen durfte. Ein wundervoller Platz mit Blick auf die „Torres“.
Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“ und er ist weltberühmt für seine drei Granitnadeln, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Der Mirador Base Las Torres ist der bekannteste Aussichtspunkt, erfordert aber gute Fitness (steil, 22 km Hin- und Rückweg). Der W-Trek ist eine 77 km lange Route, der O-Trek umrundet das Massiv auf 130 km. Südlich dieser drei Berge liegt der See Lago Nordenskjöld, benannt nach dem schwedischen Geologen Otto Nordenskjöld.
Das Wetter ist wechselhaft mit starken Winden, Regen und Schneestürmen. Im Sommer liegen die mittleren Temperaturen bei 11 °C und im Winter bei ca. 1 °C. Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der Grey-Gletscher, der in den Lago Grey kalbt. Im Park leben Guanacos, Nandus, Kondore und Pumas.
An der Laguna Azul trafen wir Tanja und Gunnar wieder, die wir im Oktober 2022 in Moab bzw. im Arches Nationalpark, USA kennengelernt hatten! Leider klappte unser „Feierabend-Bierchen“ nicht, aber man sieht sich on the road immer irgendwann wieder.



Puerto Natales





Laguna Azul





Am nächsten Tag machten wir die Lagunen Wanderung (21 km) über wunderschöne Margaritenwiesen und ganz einsam! Die Torres immer im Blick! Die Wanderung führte zum Lago Cebolla (wir überlegen heute noch, warum er Zwiebel-See hieß) und Chrisi musste noch mindestens zwei Kilometer weiterlaufen, weil er gar nicht fassen konnte, dass dieser Tümpel der Lago Cebolla und somit das Ende des Hinwegs der Wanderung sein sollte!

Lago Cebolla







Kaum zurück am Lago Azul stellte sich heraus, dass der Campingplatz dort privat war und anscheinend doch etwas kosten sollte, so zumindest erklärte uns allen eine junge Frau mit entsprechendem Logo auf dem T-Shirt. Da die meisten am Kochen waren, durften wir noch diese Nacht bleiben, aber dann bezahlen oder gehen (mittlerweile haben wir gehört, dass nun überall große Schilder stehen, dass der Parkplatz ein Wohnmobilstellplatz ist und auf dem Campingplatz bezahlt werden muss! Wir fragen uns allerdings, warum nicht mal die Ranger Station weiß, welcher Platz denn nun kostenlos ist).
Tanja und Gunnar waren morgens um 6.00 Uhr schon los gefahren um Pumas zu finden und zu fotografieren. Wir machten uns auf zur Ranger Station um dort ein Ticket zu kaufen, denn online gings nur mit PayPal und in US-Dollars. An der Ranger Station am Lago Amarga dauerte der Ticket-Kauf keine Minute, obwohl man die Eintrittskarten ja angeblich nur online kaufen konnte! Kreditkarte und chilenische Pesos waren kein Problem! Auf dem Weg zur Ranger Station besuchten wir noch den Rio Paine Wasserfall und nach dem Ticketkauf fuhren wir interessehalber noch hoch zum Parkplatz für die Torres-Wanderungen (alles hochvoll). Danach dann zum Mirador des Nordenskjöld Lake. Der Wasserfall Salto Grande war auch wunderschön und es war sogar warm und sonnig 😊! Wir fuhren am tintenblauen Pehoe Lake entlang, immer umgeben von schneebedeckten Bergen. Der kostenlose (wirklich kostenlose 😉) Stellplatz an der Administration der Ranger Station war echt schön, sogar mit Blick in die Berge und auf eine herrliche Lupinenwiese. Wir waren die ersten, aber er füllte sich rasch. Bald standen wir enger, wie die Camper in der Hochsaison in Jesolo! Neben uns standen Eva und Ralf aus Leonberg (bzw. Eva früher aus dem Remstal und Ralf aus Karlsruhe – ich glaube, da legen die Beiden Wert drauf 😉). Sie waren im Mietcamper unterwegs nach Ushuaia. Wir verstanden uns auf Anhieb und verbrachten die halbe Nacht in Muddy bei verschiedenen Getränken. (Anmerkung Chris: Die Beiden hatten ihren Kaffee (Espresso) aus Deutschland mitgebracht und da ihr Heimflug anstand und sie ein Paket übrig hatten schenkten sie es uns! Welch Hochgenuss – Nochmals vielen lieben Dank dafür!)
















Nach einem sehr herzlichen Abschied gings am nächsten Morgen weiter für Eva und Ralf durch den Park Richtung Süden und für uns Richtung Westen zum Grey Gletscher. Er ist ein Gletscher des südlichen Patagonischen Eisfeldes, der größten Eiskappe der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis.
Er war gut besucht, um nicht zu sagen VOLL! Am Ende der Kiesbank gabs noch einen Mirador (Ausblick) den wir erklommen und einen tollen Blick hatten. Wieder unten gab es nochmal einen Mirador, den Chrisi unbedingt noch ersteigen wollte. Der Weg war echt hart und fast zugewachsen. Oben angekommen stellten wir fest, dass es nur noch wenige Meter zum anderen Ausblick waren und dort oben war der Rundweg gesperrt gewesen 😊. Oh Mann, so kamen wir auf 12 km an diesem Tag! Wir fuhren zum Übernachten noch einmal an die Administration der Ranger Station zurück und stellten fest, dass Brasilien leer sein musste. Es standen sechs oder sieben brasilianische Wohnmobile dort (und uns begegneten auch ständig Menschen aus Brasilien). Eigentlich mussten wir unsere Weiterfahrt planen, aber wir hatten überhaupt kein Netz. Es kam nur ganz kurz eine WhatsApp von Aenne und Bernhard durch, dass es bei El Chaltén, Argentinien so schwere Waldbrände gab, dass die Ruta 40 gesperrt sein sollte: natürlich UNSERE Route ☹.




Nach vier Nächten und fünf Tagen wollten wir zum Abschied vom Park noch eine Wanderung machen: vom Sarmiento Lake Gatehouse zum Amarga Pond Gatehouse, ca. 15 Kilometer. Nach einer fast kompletten Fahrt durch den Park zurück und dem Parken am Sarmiento Lake Gatehouse standen wir eingecremt mit LSF 50+ und einem Rucksack mit Wasser, Pullover, Regenjacken und dem geladenen „Bearbanger“ (hatten wir noch von Kanada zur Bärenabwehr), den wollten wir mitnehmen, weil es Pumas geben sollte, vor dem „Beginn-der-Wanderung-Schild“ und dort stand „nur mit Führer“! Die fast nur spanischsprechende Rangerin erklärte uns per Google-Übersetzer, dass ein Führer unerlässlich wäre, wegen a) Pumas und b) einer Höhle mit Felsenmalereien – o.k., dann halt nicht! Wir fragten uns, wann Kanada wegen Bären und Australien wegen Krokodilen nur noch mit Führungen gemacht werden durften und trotteten missmutig zum Mirador Sarmiento Lake, der gegenüber der Ranger Station begann. Dennoch wusste die junge Dame im Office nicht mal, wie viele Kilometer dieser Ersatz denn hätte. Von Tanja und Gunnar (und IOverlander) hatten wir Koordinaten für einen Schlafplatz am Sarmiento Lake, außerhalb des Parks und er war wirklich traumhaft schön! Wir standen ganz alleine dort und genossen den Abend (nachdem wir am Hauptscheinwerfer von Muddy eine Birne gewechselt hatten, die in der Garage ganz unten in der Box war ☹). Chrisi fand noch einen Guanaco-Kopf zur Deko der Stoßstange, aber das zarte Köpfchen sah nicht wirklich gut aus.






Nach einer schlaflosen Nacht, weil der Wind so geheult und an Muddy gezerrt hatte, verließen wir mit einem letzten Blick auf „unser“ Bergmassiv die Region des Torres del Paine Nationalparks.
Es dauerte nicht so lange und wir waren an der Grenze zu Chile. Ausreise dort immer problemlos, da ohne Lebensmittelformular und anschließendem Check. Nach einigen Kilometern kam die Einreise nach Argentinien. Wie immer nett und sehr freundlich!
Adios Chile!
Bienvenido Argentina!
Pampa und langweilige Straßen kannten wir ja schon. Obwohl es Sonntag war, war nicht viel los. Allerdings an der EPA Tankstelle in La Esperanza schon! Wir suchten uns bei den LKWs ein hoffentlich ruhiges Plätzchen, denn in dieser Nacht wollten wir besser schlafen.
Unser nächstes Ziel, El Calafate, lag ca. 165 km entfernt und führte durch die wenig spannende Pampa. Irgendwann ging es für uns extrem einen Berg runter, aber für einige Fahrradfahrer (meist Paare) abartig den Berg hoch und das über einen längeren Zeitraum. Für mich eine unendliche Quälerei, vor allem bei diesen heftigen patagonischen Winden! Und glücklich sahen sie auch nicht aus!
Die erste Tankstelle am Ortsanfang war unsere, denn der Dieseltank war fast leer ☹. Dort gab es auch kostenlos Wasser für die Tanks. Am Wasserhahn stand Uwe! Ute und Uwe aus Heidenheim hatten wir vor Jahren am Punta Final Strand, Baja California, Mexiko kennengelernt und lustigerweise auch auf der Piste von Puerto Almanza getroffen. Wir wieder hoch und Ute und Uwe runter zum Beagle Kanal.
Wegen der fehlenden Wasserstandsanzeigen mussten wir wieder das gesamte Bett abbauen und brauchten für gefühlt 20 Liter 1 Stunde und 45 Minuten! Wir brachen ab, der Druck war viel zu wenig! Einkaufen mussten wir auch noch. Also mitten rein ins Getümmel.
El Calafate ist das Tor zum Nationalpark Los Glaciares mit dem bekannten Gletscher Perito Moreno am Fuß der Anden. Sie liegt im Südwesten Argentiniens in der Provinz Santa Cruz am Ufer des Lago Argentino auf etwa 200 Metern Höhe. Der Name kommt von einem in der patagonischen Region häufig anzutreffenden Strauchgewächs, der Berberitze mit gelben Blüten und dunkelblauen Beeren. Aus dieser Strauchfrucht Calafate wird Marmelade oder Likör hergestellt.
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurde am Standort des heutigen Calafate ein Versorgungspunkt für die Wolltransporte von den umliegenden Estancias eingerichtet. 1927 wurde der Ort offiziell von der argentinischen Regierung gegründet, um die Besiedlung der Region voranzutreiben. Heute hat Calafate ca. 22.000 Einwohner.
Bis wir einen Parkplatz fanden – oh Mann! Und dann war der Supermarkt auch noch leer gefegt und fast ausverkauft! Nun stellten wir fest, dass es nochmals einen „La Anonima“ Supermarkt etwas außerhalb mit GROSSEM Parkplatz gab! Man kann es sich auch unnötig schwer machen! Dort gabs auch einen Baumarkt, aber er hatte keine Wasserdurchfluss-Messer. Vom Elektro-Coach hatten wir nichts mehr gehört. In Calafate gabs einen Wohnmobil-Stellplatz, auf dem man kostenlos (am Busbahnhof) übernachten durfte. Um 21.00 Uhr war er voll! Es standen alleine drei Expeditionsmobile aus Heidenheim (Ute und Uwe), Böblingen und Stuttgart (Muddy) da. Später kam noch Ludwigsburg dazu 😉.
Wir verbrachten den ganzen nächsten Tag in Calafate auf der Suche nach einem Durchfluss-Messer. Der „Coach“ hatte sich gemeldet, dass es unser Teil so nicht mehr gab ☹. Wir wurden kreuz und quer durch die Stadt geschickt zu insgesamt sechs Geschäften, aber erfolglos. Frustriert und fertig waren wir spät bei Muddy zurück. Dort standen Tanja und Gunnar aus Kiel 😊!






Auch am nächsten Tag waren wir unterwegs wegen der Durchfluss-Messer, dieses Mal mit Muddy. Wir hatten noch zwei Adressen von Gardena-Händlern (oder so etwas ähnlichem) von Christina erhalten. Sie ist die Schwester von Chrisis Freund Andreas und lebt mit einem Argentinier verheiratet seit Jahrzehnten in Cordoba, Argentinien.
Zu einer Adresse fuhren wir sogar dreimal, bis endlich jemand da war. Aber alles vergebens! An einer Tankstelle mitten in der Stadt tankten wir noch Wasser (nachdem wir alles abgebaut hatten) und fuhren zum ca. 78 Kilometer von Calafate entfernten „Los Glaciares Nationalpark“ um den Perito Moreno Gletscher anzuschauen.
Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Gletscher (auch des südlichen Patagonischen Eisfeldes), des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden. Auch er befindet sich in Patagonien im Südwesten Argentiniens in der Provinz Santa Cruz mit einem Teil seines Ursprungs in Chile.
Der Gletscher hieß früher Bismarck-Gletscher. Im Jahr 1899 hatte ihn sein Entdecker, der deutsche Geologe Rudolph Hauthal, nach dem im Vorjahr verstorbenen ehemaligen Reichskanzler Otto von Bismarck benannt. Er wurde erst später nach Perito Moreno benannt, als Würdigung dessen Verdienstes als Entdecker und Anthropologe, der insbesondere Patagonien im 19. Jahrhundert erforschte. In Deutschland war der Name Bismarck-Gletscher bis mindestens 1917 üblich.
Heute gehört der Gletscher zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens, er ist der meistbesuchte Ort des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks Los Glaciares. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Region zog sich der Perito-Moreno-Gletscher lange nicht zurück. Es gibt aber keinen eindeutigen Trend.
Von Tanja und Gunnar hatten wir Koordinaten für einen traumhaften und einsamen Schlafplatz ca. 30 km vor dem Eingang zum Park bekommen und wir konnten sogar noch in der Sonne sitzen 😊.
Nach einer ruhigen Nacht waren wir bereits um 10.45 Uhr im Park und obwohl die Sonne fast nie schien, war es ein eindrucksvolles Erlebnis! Der Gletscher kalbte sechsmal (!) und leuchtete so intensiv blau, als hätte jemand im Inneren eine Lampe angezündet. Wir waren sicher vier Stunden im Park, der nur aus dem Gletscher besteht und machten alle Wanderungen zu den unterschiedlichen Aussichtspunkten.












Wir entschlossen uns, wieder unseren „wilden“ Platz in der Pampa zum Schlafen zu nutzen und stellten dort fest, wo der kleine Diesel-Alu-Tank (für Heizung und Kocher) tropfte. Dass er es tat, hatte Chrisi bereits beim Gletscher-Parkplatz bemerkt. Extra für Südamerika hatten wir ihn bei Scharr Truck, Stuttgart-Vaihingen reinigen lassen, weil der Diesel so alt war (=Diesel-Pest!) und er wurde wohl so schlampig wieder hingebaut, dass der Halter am Tank scheuerte – wieder eine neue Baustelle ☹!
Die Nacht war schrecklich windig und Muddy schaukelte viel. Am Morgen (es war Freitag), schauten wir, dass wir nicht zu spät wieder zurück in Calafate waren, damit wir noch eine offene Werkstatt fanden. Bei der aus IOverlander war niemand, weshalb ich ein Gebäude weiter ging. Dort standen große LKWs in der Halle. Zuerst kam ein Mechaniker mit raus zu Muddy, dann der Zweite und zum Schluss ein Dritter (der Chef?), der Englisch sprach. Der Zweite stellte gleich fest, dass es nicht die Stelle war, die wir dachten, sondern dass das Problem weiter oben am Tank liegen musste. Beherzt baute er den Tank ab! Tatsächlich hatte sich oben in einer Bohrung eine Dichtung verabschiedet! Das Problem wurde schnell gelöst und ein neuer Gummi eingefügt, der Tank besser angebracht und sogar noch Schrauben an den Kotflügeln nachgezogen! Und, es hätte nichts gekostet! Wir spendeten für die Asado-Kasse und weiter gings.
Beim Wohnmobilstellplatz am Busbahnhof parkten wir wieder und suchten das siebte Fachgeschäft für Durchfluss-Messer auch noch auf: vergebens! Danach waren wir so frustriert, dass wir uns ausnahmsweise ein Abendessen gönnten! Tanja hatte uns „Elia“ empfohlen. Ein von einem Libanesen geführtes Lokal mit Gerichten zum Teil unter 10,00 Euro. Für mich gabs Falafel, Hummus und Tabouleh Salat (mit ganz viel Petersilie), für Chrisi NATÜRLICH Grillteller mit VIEL Fleisch und Salat. Es war hervorragend!


Nach einer richtig guten Nacht ging es am nächsten Morgen zuerst zum Wasser holen, dann einkaufen und dann nach El Chaltén.
Anfangs war es eine langweilige Strecke, dann wurde sie richtig schön, am Lago Argentino und am Lago Viedma entlang, aber entsetzlich stürmisch! Dieser patagonische Wind geht einem richtig auf die Nerven! Nach ca. 250 km waren wir endlich in El Chaltén angekommen. Am Visitor Center direkt gegenüber von Tanja und Gunnar (die uns schon erwarteten), fanden wir einen der letzten Stellplätze. Trotzdem stellten sich noch zwei kleine Wohnmobile dazwischen. Wir machten einen Abendspaziergang und Angelika und Freddie aus Ebersberg bei München gesellten sich auch dazu.
El Chaltén ist eine Siedlung im Zentrum des argentinischen Teils von Patagonien und der führende Wanderort des Landes. Die chilenische Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares ist nicht weit entfernt. Gegründet am 12. Oktober 1985, gehört der Ort zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens und hatte 2010 gerade mal 1627 Einwohner.
Es herrscht ein ozeanisch beeinflusstes Klima. Verbunden mit der Lage am Ostrand der Anden hat es reichlich Niederschlag mit rund 5.000 mm jährlich. Hinzu kommt ein sehr windiges Klima mit vielen Stürmen und wenigen Sonnenstunden (wir hatten allerdings unsagbares Glück und viel Sonne!).
El Chaltén bietet den unmittelbaren Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des FitzRoy. Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén. Das bedeutet in ihrer Sprache Rauchender Berg, obwohl der FitzRoy kein Vulkan ist. Die Bezeichnung leitet sich von den oft an der Spitze des Berges sichtbaren Wolken ab.
Als erster Europäischstämmiger beschrieb 1877 Perito Moreno den Berg. Er benannte ihn nach Robert FitzRoy, dem Kapitän des Forschungsschiffes Beagle, mit dem Charles Darwin fast fünf Jahre um die Welt reiste.
Erst am 2. Februar 1952 gelang Lionel Terray und Guido Magnone die Erstbesteigung. Am 16. Januar 1986 schaffte Thomas Bubendorfer die erste Alleinbegehung. 1994 gelang Christoph Hainz in knapp neun Stunden die bislang schnellste Solobesteigung. Dennoch: Aufgrund der Form und der extremen, unberechenbaren Wetterverhältnisse gilt der Berg als äußerst schwer zu besteigen, die meisten Versuche bleiben erfolglos.
Übrigens: Die Grenzziehung vom FitzRoy-Massiv bis zum Cerro Daudet ist zwischen Chile und Argentinien umstritten. Eine gemeinsame Grenzkommission einigte sich am 16. Dezember 1998, die Grenzziehung zu vertagen.






Als wir aus dem kleinen (sehr kleinen und teuren) Städtchen zurückkamen, war der ganze Parkplatz hochvoll mit Wohnmobilen. Lustigerweise kannten sich alle von irgendwoher 😊!
Wir machten die drei Wanderungen „Mirador FitzRoy“, „Laguna Capri“ und die „Chorrilla del Salto“ …. an einem Tag! Denn jeder Tag kostete (ohne den Jahrespass) extra Eintritt! Und, was noch schlimmer war, am nächsten Tag sollte es auch noch regnen. Insgesamt brachten wir es auf 21,7 km (!) und 970 Höhenmeter (!). Einen Teil der Wanderung machten wir mit Angelika und Freddie, die wir auf dem Mirador trafen.
Abends hatten wir einen riesigen „Stuhlkreis“ und man konnte in Patagonien mal draußen sitzen, was keiner von uns fassen konnte 😉

Mirador FitzRoy















Für das Wiederaufladen der argentinischen SIM-Karte brauchten wir auch einen guten halben Tag, weil man uns wieder durch den ganzen Ort „jagte“ und niemand wusste, wo man eine SIM-Karte aufladen konnte (unfassbar!), brachten 8 Kilo Wäsche zum Waschen (privater Haushalt, ca. 16,00 Euro, Abholung am nächsten Tag), suchten und fanden einen Mülleimer. Mittlerweile waren es schon acht deutsche Expeditionsmobile auf dem Stellplatz. Man kam sich vor wie in einer deutschen Reihenhaussiedlung 😉! Am dritten Tag machten wir eine ausgedehnte, sehr anstrengende Wanderung bergauf zum Mirador Cerro Torre (10 km, fast 1.000 Höhenmeter), bei der ich mir ein mächtiges Knieproblem holte ☹. Am nächsten Tag genossen wir die nun wieder reichlich scheinende Sonne in vollen Zügen und putzten (schon wieder!) unsere Wasserfilter. Eine weitere Wanderung fiel zugunsten der Schonung meines lädierten Knies leider aus. Am fünften Tag wollten wir weiterfahren, verquatschten uns aber dermaßen mit Tanja und Gunnar, dass wir doch noch blieben, auch weil das Wetter SOOO schön und warm war.

Cerro Torre








Am sechsten Tag fuhren wir aber dann los! Dass wir die fast 300 km bis Gobernador Gregores schaffen würden, hätten wir selbst nicht geglaubt, zumal 70 km davon eine mit viel Kies bedeckte Wellblechpiste waren. Zu allem Überfluss hämmerte ein zu schneller Jeep-Fahrer auch noch einen Stein an unseren Holm und hinterließ eine böse, abgeplatzte Stelle (aber besser Blech, als Glas!). An der Tankstelle in Tres Lagos tankten wir und bekamen auch noch super Wasserqualität für unsere Tanks mit einem mächtigen Druck 😊. Kurz vor dem Ziel fand Chrisi SEINEN Kuhkopf-Schädel, den er sich seit vier Jahren so sehnlichst wünscht! Er war überglücklich … aber wir fanden partout keinen Platz an Muddy für ihn (er zerkratzte sogar die Stoßstange), so dass er ihn schweren Herzens zurücklassen musste ☹.
Spät kamen wir an der YPF Tankstelle in Gobernador Gregores an, aßen dort die bislang besten EMPANADAS ARGENTINAS DE CARNE zum Abendessen und verbrachten dort die Nacht. Da sich eine Bar oder ein Jugendclub neben der Tankstelle befand, wummerten die ganze Nacht bis morgens um 6.30 Uhr die Bässe. Wir machten kein Auge zu! Am Morgen liehen wir einem jungen deutschen Paar neben uns unseren Wagenheber und machten uns danach auf zum Einkaufen.
Der alte Muddy musste nach so vielen Kilometern Piste und Staub unbedingt abgeschmiert werden, aber die Tankstelle bot keinen Windschutz und war zu steinig. Wir suchten nach einem Platz im Umfeld von Gobernador Gregores, fanden aber keinen. Zum Schluss landeten wir am Ortsanfang auf einem Campingplatz hinter Bäumen, wo Chrisi gut abschmieren konnte und es gab sogar eine gute, heiße Dusche! Ich stürzte mich auf den Januar-Bericht.




gesucht … 🙁


Nach einer ruhigen Nacht gings am nächsten Morgen (nach dem lästigen Tanken) weiter auf der Ruta 40 nach Norden. Die Straße war eine Katastrophe! Riesen Schlaglöcher, zum Teil nicht asphaltierte kleine Teilstücke und WIND! Unser Ziel waren die „Cuevas de las Manos, Rio Pinturas“. Wir kamen nur noch bis zur Kreuzung nach Irgendwo und übernachteten auf dem LKW-Parkplatz der Tankstelle in Bajo Caracoles, einem echten Nest im Nirgendwo (in diesem Fall mitten in der Pampa).
Am nächsten Tag reparierten wir ein paar Dinge und fuhren dann die Ruta 40 bis zum Abzweig zu den Cuevas de las Manos. Nach 47 (!) Kilometern Wellblech-Piste erreichten wir sie ziemlich durchgeschüttelt.
Die Cueva de las Manos (Höhle der Hände) ist bekannt für ihre Höhlenmalereien und wurde deshalb 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. Ihren Namen erhielt die Höhle, da ein Großteil der Höhlenmalereien aus Handnegativen besteht. Die Höhle wurde 1941 vom Mönch Alberto M. de Agostini entdeckt, der sie als erster fotografierte. Die Malereien datieren von 9.000 bis 3.000 vor Christus. Die Archäologen gehen davon aus, dass es vor allem Frauen- und Kinderhände waren, da sie so klein sind.
Es soll sich um Nomaden gehandelt haben, die die Malereien aus rituellen und territorialen Gründen anbrachten. Außer den zahllosen Händen gibt es noch Darstellungen von Guanacos, Nandufüßen und einer Puma-Tatze. Außerdem die Darstellung einer Trommel und Händen und davor eine Figur, die vermutlich tanzt. Zwar ist die Cueva de las Manos die bedeutendste Fundstätte, jedoch existieren auch in anderen Höhlen sowie an Felswänden in der Schlucht vergleichbare Malereien. Die Farbe der Malereien besteht aus Gips und Eisenoxiden (Hämatit). Beindruckend ist, dass die Farben immer noch so bunt sind. Und ich fand interessant, dass heutzutage sowohl die Nandufüße, als auch die Puma-Tatze immer noch die gleiche Größe haben, wie 9.000 vor Christus!








Cueva los Manos










Bis wir nach der Führung wieder auf der Hauptstraße (Ruta 40) waren, entschieden wir, nochmals zurück zur Tankstelle in Bajo Caracoles zu fahren und dort zu übernachten.
Wir waren am nächsten Morgen schon auf dem Sprung zur Weiterfahrt, als Chrisi im rechten Hinterreifen im Stollen in einem kleinen Loch einen Stein oder gar Schlimmeres entdeckte. Zuerst suchten wir zu Fuß eine „Gomeria“ auf, eine winzige Reifenwerkstatt. Wir erklärten (auf Spanisch!) unser Missgeschick und ob wir gleich vorbeifahren dürften. Das war o.k. Als wir Muddy vor der Mini-Werkstatt abstellten, kam erst mal die Ehefrau aus dem Haus gerannt und machte jede Menge Bilder von ihrem Mann an Muddy gelehnt 😉. Dieser zog dann auch tatsächlich einen Nagel aus dem Loch und prüfte mit einem Haufen Spucke, ob es „nur“ der Stollen war oder ob Bläschen kamen und wir ein ganz ernstes Problem hatten. Gott sei Dank nicht 😊!
Bis zum Eingang des Patagonia Parks in Argentinien (es gibt wohl auch einen in Chile) waren es ca. 74 km. Wir bezahlten den Eintritt von 12.000 Pesos für uns Beide (Stand heute 7,43 Euro) und fuhren noch 4 km bis zum einzigen Campingplatz für Wohnmobile im kleinen Nationalpark. Der Campingplatz war privat und kostete pro Nacht 20 US-Dollar. Es gab dafür auch ein hübsches Waschhaus mit Aufenthaltsraum (vor allem für Zelter), Camp-Küche, WC`s und jeweils für Jungs und Mädels eine Dusche, aber dafür sogar mit heißem Wasser! Wir kochten endlich mal wieder draußen (Hamburger, gegrillte Tomaten und Zwiebeln) und freuten uns über den schönen Sonnenuntergang.
Bei strahlend blauem Himmel und sehr viel Sonne 😊 fuhren wir am nächsten Tag 20 km auf einer sehr gepflegten Piste bis zum Wanderparkplatz. Wir kombinierten fünf verschiedene Wanderungen zu einem Rundkurs mit ca. 15 km und sahen so alle Facetten des Nationalparks, auch die Cuevas los Manos auf der anderen Seite des Rio Pinturas. Chrisi lieh mir seine Kniebandage und so war es eine wunderschöne Wanderung und obwohl wir fast alle Wanderwege des Parks gelaufen waren, begegnete uns kein Mensch! Schön für uns, aber schlecht für den Nationalpark! Über dem Canyon sahen wir einen Kondor seine Kreise ziehen und auf dem Campingplatz gab es ein Pärchen schwarze Adler, eine große Herde Guanacos kam jeden Nachmittag auf die „Wiese“ und daneben fraßen die Nandus. Gott sei Dank sahen wir nur die Speisekammer des (oder der) Pumas; im Park leben einige davon. Pfotenabdrücke sahen wir viele!

Patagonia Nationalpark …







Cuevas los manos







Schönheitspflege war am letzten Tag angesagt 😊! Haare schneiden, rasieren, heiße Dusche und mal wieder Rührei mit Tomaten, Zwiebeln und VIEL Knoblauch 😉! Wir fuhren erst um 15.30 Uhr los, die 56 km nach Perito Moreno (Stadt) waren schnell gefahren, kauften das Nötigste ein (viel durfte es nicht sein, denn wir wollten wieder über die Grenze nach Chile) und fanden (nach dem Tanken ☹) einen Platz zum Schlafen auf dem YPF Gelände in Perito Moreno. Es hatte 35 Grad im Schatten, war schrecklich laut und stank nach Diesel. Wir hatten Sehnsucht nach unserem Campingplatz im Patagonia Nationalpark mit seiner wahnsinnigen Ruhe und den guten „Schwingungen“.
Im Park hatten wir kein Netz, aber in Perito Moreno erreichte uns die Nachricht von Christina, die mittlerweile unsere Durchfluss-Messer online in Argentinien bestellt hatte, dass diese (oh Wunder! Daran geglaubt hatte niemand!) bei ihrer Schwägerin in Bariloche (ca. 830 km entfernt) eingetroffen wären 😊! Juhu und Jubel!!
Beim Frühstück checkten wir den Wetterbericht der nächsten Tage und stellten leider fest, dass eine starke Abkühlung inkl. Regen drohte. Also kein Wetter für Puerto Rio Tranquilo in Chile und zur Besichtigung der Marmorhöhlen per Boot. Außerdem mussten wir uns unbedingt um die Webseite kümmern und so entschlossen wir uns, am Lago Bueno Aires unser Lager aufzuschlagen. Vorher mussten wir nochmals einkaufen, denn wegen dem Grenzübertritt hatten wir nun zu wenig im Kühlschrank!
Der Lago Buenos Aires (in Chile heisst er Lago General Carrera) ist ein großer patagonischer Grenzsee mit einer Gesamtlänge von ca. 128,7 km. Seine maximale Breite beträgt etwa 68 km. Der See erstreckt sich über eine Fläche von ca. 1.850 km², aufgeteilt auf Chile (ca. 970 km²) und Argentinien (ca. 881 km²).
Es war warm (für Chrisi sogar heiss 😉) am See und leer, um sich dann eine Stunde später mehr und mehr zu füllen. Wir waren umringt von Pickups, PKWs und Menschen, die im eiskalten Wasser badeten! Selbst Chrisi sass gegen später, als der Wind auffrischte, mit Hoodie und langen Hosen draußen (ich schrieb drinnen den Januar-Bericht), während die Argentinier offensichtlich ihren Sommer genossen. Einen Wetterumschwung, wie angekündigt, konnten wir uns zwischenzeitlich nicht mehr vorstellen.






Wann und ob nun der große Regen kommt, wann wir über die Grenze fahren und wo uns die Reise noch hinführt, folgt in unserem Februar-Bericht.
Bis dahin Euch alles Gute von den

