Von Puerto Madryn, Patagonien, Argentinien über die Magellanstraße, Chile
und Ushuaia, Feuerland, Argentinien nach Rio Grande, Feuerland, Argentinien
Vormittags die übliche Routine: Frühstück-Tanken-Einkaufen-Etappe starten-wieder saulangweilige Strecke! Aber, wenn man ans Ende der Welt will, muss man durch die Pampa, zumindest auf argentinischer Seite. Die Straße war super schlecht. Nach ca. 300 km machten wir an einer YPF-Tankstelle Schluss, so konnte ich noch weiter den November-Bericht schreiben. Wir befanden uns „in the middle of nowhere“! 250 km auf beiden Seiten war einfach NICHTS! Der Wind war noch stärker oder war das schon Sturm?!
Wir hatten wieder eine lange Strecke vor uns ☹. Dieses sture Kilometer-Fressen ist so gar nicht unsers. Und dann war die Landschaft auch wieder öde.
Über die Hochebene fegte ein ganz starker Wind, so stark, dass Muddy immer wieder ausbrach. Es herrschte sehr großer LKW-Verkehr und die Straße war so schmal, dass der Luftzug vorbeifahrender LKWs Chrisis Außenspiegel immer wieder einklappte.
Eine Ewigkeit fuhren wir durch Comodoro Rivadavia, umgeben von hohen Sandbergen. Ziemlich ermattet landeten wir in Caleta Olivia an einer YPF-Tankstelle (wo auch sonst!), direkt am Meer und viel zu fertig, um den November-Bericht für die Webseite noch hochzuladen.
Die nächste Etappe war zunächst gar nicht langweilig. Dank unseres Navis fuhren wir auch durch ganz Caleta Olivia durch. Das war gar nicht so klein, wie wir dachten. Es ging am Meer entlang und bergauf und -ab. Hin und wieder gab es verlassene Häuser und ganz viele ausgebrannte LKWs oder auch PKW lagen links und rechts der Straße. Viele Kreuze säumten sie. Ganz makaber fand ich die Gedenkstätte mit dem T-Shirt des Verstorbenen auf einem Plastiktorso.
Es gab jede Menge Gürteltiere (tot und lebendig) und was uns am meisten erstaunte war, dass eines auf der Straße saß und Aas fraß. Sie sind anscheinend wirklich Allesfresser! Die Ruta 3 (die auch die Panamericana ist) hatte tiefe LKW-Spuren von den Zwillingsreifen im Teer und Muddy wollte nicht so richtig reinpassen. Die Ränder der Straße waren aufgeworfen und messerscharf. Chrisi surfte elegant über alle Hindernisse, aber es war ziemlich anstrengend! Ach ja, weil ich es immer von der legendären Panamericana habe: Sie erstreckt sich von Alaska im Norden Amerikas bis nach Feuerland in Argentinien an der Südspitze Südamerikas und ist eine der längsten Straßen der Welt. Wir haben Menschen kennengelernt, die ihrem Streckenverlauf sklavisch folgten und nicht nach links oder rechts abbogen, um zu sagen, dass sie die komplette Panamericana gefahren sind. Diesen Ehrgeiz hatten wir nie! Obwohl ich als Jugendliche auch davon träumte, einmal im Leben diese berühmte Straße zu fahren. Nun, jedenfalls müssen alle Güter die Feuerland braucht (zumindest der argentinische Teil) über die Ruta 3 transportiert werden. Und entsprechend ist der LKW-Verkehr.
Bei grau-schwarzem Himmel, Nieselregen und Sturm beendeten wir unsere „wilde“ Fahrt 😊 auf einer Hochebene, wo weit und breit NICHTS war, außer … richtig: eine YPF-Tankstelle! Wir luden den November-Bericht hoch und freuten uns, dass es so stürmte, dass Muddy uns in den Schlaf schaukelte.









Die Ruta 3 brachte uns durch noch mehr Pampa bis zum Atlantik nach Puerto San Julián. Der Ort hat eine große Vergangenheit! Er erhielt seinen Namen vom portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan, der am 31. März 1520 hier anlegte und im Hafen überwinterte. Er war im Auftrag des spanischen Königs Karl I. unterwegs, um eine westliche Route zu den Gewürzinseln (den Molukken) zu finden, um den lukrativen Gewürzhandel (Nelken, Muskat) zu kontrollieren und eine Alternative zum portugiesischen Seeweg um Afrika zu suchen. Er wollte den amerikanischen Kontinent umschiffen und durch einen unbekannten Ozean (den er später den Stillen Ozean bzw. den Pazifik nannte) nach Asien zu segeln. Anfang April musste sich Magellan mit einer Meuterei auseinandersetzen, die von seinen spanischen Kapitänen angeführt wurde. Er schlug die Meuterei nieder, richtete die Anführer hin und ließ einen Kapitän sowie einen Geistlichen in Puerto San Julián zurück (man hörte nie wieder von ihnen). Magellan verließ den Hafen am 21. August 1520 und fand am 21. Oktober die östliche Einfahrt der Passage, nach der er gesucht hatte und die nun seinen Namen trägt.
Ach ja, 58 Jahre später, am 20. Juni 1578 kam Francis Drake auf seiner Weltumsegelung nach Puerto San Julián. Er fand die Überreste des Galgens, an dem Magellan die Meuterer hatte hinrichten lassen. Da auch Francis Drake Probleme mit seiner Mannschaft hatte, nutzte er ihn weiter.
An der Uferpromenade von Puerto San Julián liegt ein Nachbau eines von Magellans Schiffen, der Victoria. Sie war das einzige Schiff, welches von der Suche des Seewegs nach Spanien zurückkehrte und die erste Weltumsegelung schaffte. Aber, das ist wieder eine andere Geschichte!
Der Hafen blieb weiterhin ein Anlaufpunkt auf Südamerikareisen. Er war auch eine Station auf der Reise der Beagle (die zweite Reise), die hier im Januar 1834 eintraf. Ein Passagier der Beagle war Charles Darwin.
Wir wanderten noch durch den Ort und erstanden einen „Toaster“, den man als Auflage auf die Kochplatte des Elektroherdes legen konnte, denn auch südamerikanisches Brot ist nur getoastet genießbar!
Wir checkten auf dem Campingplatz Municipal ein, weil Muddy ganz dringend abgeschmiert werden musste, die Gelenke, die Aufhängungen der Federn, die Antriebswelle etc. brauchten dringend Fett! Ein grauenvoller Job für Chrisi! Ich wollte Muddy gründlich reinigen und danach brauchten wir Beide eine Dusche. Auf dem Campingplatz lernten wir eine sehr nette Familie aus Berlin (mit drei Kindern) in einem riesigen Expeditionsmobil kennen. Auch sie waren auf dem Weg nach Ushuaia, wo sie Weihnachten verbringen wollten. Wir blieben noch einen Tag länger, wanderten die Bucht entlang und durch Puerto San Julián durch, ein freundliches Städtchen mit viel zu großen Straßen (darüber waren wir aber nicht böse 😊).











Puerto San Julián








Nach den üblichen Tätigkeiten wie (ausgiebig frühstücken 😉), Grauwassertank leeren, Wassertanks füllen, „sanitäre“ Anlagen leeren), einkaufen (und normalerweise auch noch Muddy tanken), fuhren wir am nächsten Tag weiter mit dem Ziel, den Parque Nacional Monte Leon zu besuchen.
Er führt ein kleines Schattendasein, weil sehr viele die Peninsula Valdés besuchen und dann vermutlich keine Lust auf einen Abstecher haben, weil sie alle nur noch nach Ushuaia hetzen. Aber er lohnt sich! Allein die 19 km Anfahrt auf einer gepflegten Piste waren wunderschön! Mit großen Guanacoherden, perfekt getarnt.
Zuerst kamen wir am Mirador Isla Monte Leon (Aussichtspunkt) vorbei. Auf dem Felsen tummelten sich Tausende von Kormoranen. Außerdem gab es dort im Nationalpark eine sehr große Pinguin Kolonie und eine große Seelöwen Kolonie. Ganz unten, am Ende der Piste, gab es windgeschützte Plätze für Zelter und einen kleinen Wohnmobilstellplatz zum kostenlosen Übernachten mitten im Park. Und dort stand auch unübersehbar die Berliner Familie! Wir (Chrisi und ich) wanderten noch den Strand entlang und trafen uns später auf ein Bier bei den Nachbarn, weil es draußen zu kalt und viel zu windig war (außerdem gab es eine Puma-Warnung, die uns aber nicht abgeschreckt hätte).
















Am nächsten Morgen fuhren die „Berliner“ weiter und wir entschlossen uns zum Highlight des Parks, der Pinguin Kolonie, zu wandern. Man hätte auch extra Muddy anwerfen können, aber wir hatten Lust auf Bewegung (die insgesamt 16 km waren super schön, aber bergauf und ab und zum Schluss noch mit Gegenwind waren echt hart!).
Die Magellan-Pinguine waren entweder noch am Brüten (zwei Eier = 40 Tage) oder sie saßen schon auf ihrem geschlüpften Nachwuchs. Die grauen Babys waren RIESEN groß! Beide Elternteile machen sich von Dezember bis ca. März auf Nahrungssuche, die sie bis zu 50 km (!) vom Nest entfernt und die bis zu 80 m tief gehen kann. Im März verlieren die Pinguin-Babys ihren grauen, nicht wasserfesten Flaum und bekommen das für Magellan Pinguine typische schwarz-weiße Federkleid. Leider stehen die putzigen Tierchen am Anfang der Nahrungskette ☹. Im Wasser lauern Orcas und Seelöwen und an Land graue Füchse und vor allem Pumas. Es lagen auch viele tote Pinguine überall herum. Wie uns die Rangerin später auf der Straße (sie fuhr mit dem Auto an uns vorbei) erklärte, wurden diese Tiere tatsächlich von Pumas und deren Nachwuchs zur Übung der Jagd gerissen, aber sie werden nicht gefressen. Trotz all dem kann ein Pinguin durchaus 15 Jahre alt werden. Es war jedenfalls ein unvergessliches Erlebnis, denn die neugierigen Tiere waren unmittelbar neben uns!
















Wir schafften es vor dem Gewitter gerade noch zu Muddy und dachten wir am Morgen noch, dass wir abends ganz alleine im Park wären, so hatten wir uns sowas von getäuscht: Es standen noch fünf andere Camper da (einer sogar aus Regensburg).
Aufgrund des Regens konnten wir draußen nicht kochen. Bis zur Grenze nach Chile war es nicht mehr so weit und die, so unsere Info, würden es mit den Sachen im Kühlschrank sehr genau nehmen. Denn man musste an der Grenze ein Formular ausfüllen und alles angeben, was man so an Lebensmitteln hatte (tierische und pflanzliche Produkte).
Am nächsten Morgen fuhren wir zur Kolonie der Seelöwen. Nach einem ca. 300 m Fußmarsch konnten wir auf die Seelöwen runterschauen, die aufgrund des sehr steilen Felsens dicht an dicht lagen und ein Höllen Spektakel veranstalteten. Den „Cabeza Leon“ (Löwenkopf) konnten wir in der Felsformation nicht erkennen und wir haben wirklich viel Fantasie!





Danach fuhren wir zum Parkausgang und 6 km wieder zurück auf der Ruta 3 zur Ranger Station, um dort noch eine alte, aufgegebene Schafsfarm zu besichtigen. Die „Estancia Monte Leon“ hatte in den 1920iger Jahren 40.000 Schafe. Aufgrund des rauen Klimas in Südpatagonien wurde die Qualität der Wolle und auch die der Schafsfelle sehr hochwertig. Wolle und Fleisch wurden zum Großteil nach Europa transportiert. Der Bedarf der Farm an Medikamenten für die Schafe, Material für die Zäune, die Rasierapparate etc. kam mit dem Schiff aus England nach Punta Arenas, Chile und dann von dort auf die Farm Monte Leon. Ein gigantisch weiter Weg!
Die Böcke wurden nur einmal im Jahr zu den Schafen gelassen, so dass alle Lämmer im September geboren wurden. ALLE Schafe wurden zwischen Dezember und Ende Januar geschworen. Ein Schaf-Scherer schaffte zwischen 150 und 200 Schafe am Tag! Interessant war, dass die ganze Halle noch immer extrem nach Schafen roch.





Wir bedankten uns noch bei den Rangern, die extra für uns aufgeschlossen hatten und verabschiedeten uns. Dann mussten wir aber wirklich Gas geben! Die nächste und einzige Übernachtungsmöglichkeit war eine Tankstelle in Rio Gallegos, einer geschäftigen, großen Hafenstadt ca. 100 km vor der Grenze nach Chile und Rio Gallegos lag ca. 250 km von uns entfernt. Es war eine wilde Fahrt! Der Wind blies so heftig, dass es Muddy fast von der Straße fegte. Chrisi hatte alle Hände voll zu tun! Es gab viele Guanaco-Herden und auch viele Skelette von ihnen. Vermutlich kollidierten sie mit den zahllosen LKWs. Und endlose Pampa, man glaubt sofort, dass Patagonien zu den am dünnsten besiedelten Regionen der Welt gehört!
Um 17.00 Uhr erreichten wir eine Tankstelle auf dem Bypass um die Stadt (nicht die Tanke zu der wir eigentlich fahren wollten), aber, wir durften auch hier gerne übernachten, aber unbedingt unter der Überwachungskamera, obwohl dort ein Verbotsschild prangte 😉.
Auf dem Areal sahen wir Sabine und Martin aus Regensburg wieder, die mit uns im Nationalpark waren. Sie überlegten auch schwer, wie sie weiterfahren sollten, denn die nächsten zwei Wochen hatte sich eine Sturm- und Regenfront mit einem eisigen Temperatursturz angekündigt.
Ca. 150 km nach der chilenischen Grenze muss man die Magellanstraße mit einer kleinen Fähre überqueren und diese hat keine „feste“ Einfahrt aufs Schiff, sondern nur eine Rampe, die auf dem Teer hin und her kratzt, während das Schiff tanzt. Nach 20 Minuten ist man dann auf der anderen Seite, fährt noch 100/150 km durch Chile, um dann wieder auszureisen und in Argentinien einzureisen. Ja, es ist nicht so einfach, ans Ende der Welt zu kommen 😉! Sabine und Martin stellten sich neben uns und wir machten dennoch mal weiter mit dem Reste essen.
Kurz vor der chilenischen Grenze kam die Laguna Azul, ein schöner See in einem Vulkankrater. Dort wollten wir noch hin (auch um den weiteren Inhalt des Kühlschranks zu leeren).
Sabine und Martin wollten auch noch mit zur Lagune. Sie waren früher fertig und fuhren schon mal voraus. Wir dachten -mal wieder- wir stehen alleine dort, aber außer unsere beiden Autos waren noch drei Wohnmobile aus Argentinien da und später kam noch ein sehr schönes Expeditionsmobil aus Brasilien dazu.
Obwohl es leicht regnete, sehr windig und kalt war (ich hatte drei Jacken an 😊) machten wir noch eine Wanderung fast um den kompletten Kraterrand rum und noch zum See runter. Trotz des zu erwartenden noch schlechteren Wetters (kaum zu glauben), hatten wir keine Lust unsere Pläne zu ändern. Also: Kühlschrank auf: was musste noch weg 😉? Gegen später besuchten uns Sabine und Martin noch im Shelter auf Bier/Wein/Saft. Morgens gabs noch eine Runde Rührei und Muddy „ein bisschen hübsch machen“. Sabine und Martin waren schon drei Stunden vorher gefahren! Bis zur Grenze waren es nur noch 10 km.









bei Regen

Die Ausreise von uns vier (wir zwei, Muddy und das Pony) aus Argentinien ging einfach, freundlich und Ruck Zuck. Die Grenze zu Chile kam einen Kilometer später. Auch hier für uns vier völlig problemlos. Drei Monate Aufenthalt, zwei verschiedene Schalter. Dann kam Schalter drei! Dort musste online ein Formular (pro Nase!) ausgefüllt werden, ob man für Chile gefährliche Lebensmittel mitführt und wenn ja, welche. Die Downloads musste man zeigen, bekam jede Menge Stempel und fuhr dann mit Muddy an eine Ausfahrt, wo das Ganze kontrolliert wurde. Die eingeschweißte Salami in Scheiben war o.k. Aber die zwei (herrlichen) Knoblauchknollen mussten wir abgeben. So brauchten wir -nur wegen dem Online-Formular und der Kontrolle- 2 Stunden und 15 Minuten für den Grenzübergang.
Adios Argentina!
Bienvenido Chile!
Nach ca. 40 km kam die nächste Aufregung: die Überquerung der Magellanstraße mit der Autofähre von Punta Delgada nach Bahia Azul! Klingt wie Karibik – war es leider nicht! Es wehte ein kalter Wind mit ca. 40 – 60 km Geschwindigkeit, aber besser, wie ein Tag später, da gab der Wetterbericht 100 km an.
Die Magellanstraße verbindet nördlich der Südspitze Südamerikas den Atlantischen mit dem Pazifischen Ozean. Sie ist von Ost nach West ca. 611 km lang. Seit dem Grenzvertrag zwischen Chile und Argentinien von 1881 gehört die Magellanstraße zum chilenischen Hoheitsgebiet. Auch nachdem Willem Cornelisz Schouten 1616 Kap Hoorn entdeckte und die Drakestraße zum ersten Mal befahren hatte, blieb die Magellanstraße vorerst die bevorzugte Verbindung in den Pazifischen Ozean. An ihren Ufern konnten sich die Seefahrer bequem mit Proviant und Trinkwasser versorgen und waren nicht den unberechenbaren Naturgewalten vor Kap Hoorn ausgesetzt.











Wir fuhren noch bis Cerro Sombrero (es hieß wirklich so), einem Dorf im Nirgendwo. Die Häuser erinnerten uns an Grönland, Inuit oder Walfängersiedlungen. Auf dem Parkplatz des Hotels Tunkelen durften wir kostenlos übernachten.
Nach dem es in Cerro Sombrero nichts zum Einkaufen gab und der Kühlschrank leer war, gönnten wir uns im Hotel ein Frühstück 😊. Dann gings ca. 100 km bis zur chilenischen Grenze, wieder Ausreise von uns vier und ca. 8 km weiter zur argentinischen Grenze und Einreise von uns vier.
Adios Chile!
Bienvenido Argentina!
Und gleich wurde auch die Straße schlechter. Wir fuhren noch 78 km nach Rio Grande um unsere Vorräte und den Kühlschrank wieder zu füllen und fanden Zuflucht an einer YPF Tankstelle. Als ich ausstieg, um zu fragen, ob wir dort übernachten durften, blies es mich fast über den Platz! Ich musste mich an einem Geländer festhalten. Es war so kalt, dass wir ständig zwei Jacken anhatten. Das Schlimme war aber, das wir Tausende von Kilometern gefahren waren (wir waren nun ca. 200 km vor Ushuaia) um ans Ende der Welt (Fin del Mundo – von Chrisi immer „Culo del Mundo“ genannt 😉) zu gelangen, es war der 12. Dezember, also Sommer in Südamerika und der Wetterbericht für Ushuaia für die nächsten 16 Tage war einheitlich schlecht: Tagsüber 6 Grad, nachts -2 Grad und zwischen 90 % und 60 % Regen bzw. Schneefall! Wie furchtbar! Aber, wir beschlossen, nicht zu hadern und unsere Pläne trotzdem durchzuziehen. Denn, wir waren uns ganz sicher: ans Ende der Welt würden wir nur einmal im Leben fahren, denn wir lieben die Wärme (ich Hitze!) über alles und das Wetter hier war nicht unsers! Sogar Chrisi sagte „stell es lieber in den Kühlschrank, damit es nicht so kalt wird“! (gemeint waren unsere Trinkwasserflaschen die wir sonst im Fahrerhaus lassen).

in Chile








Nachts betätigte Chrisi die Wasserpumpe und sie gab ganz merkwürdige Geräusche von sich! Dann ging die 12 Volt Versorgung in die Knie und zum krönenden Abschluss verabschiedete sich noch die 230 Watt-Anlage ☹. Oh Nein! Was war passiert? Wir probierten die halbe Nacht unterschiedliche Lösungen, aber die Wasserpumpe gurgelte nur vor sich hin. Wir vertagten das Problem auf den nächsten Morgen und wuschen uns ohne fließendes Wasser mit Mineralwasser. Beim Anschalten des Kochherds schaltete der Wechselrichter ständig ab und meldete eine Überspannung. Mist! Kaffee gab es Gott sei Dank an der Tankstelle (sogar richtig guten 😊) und dann gings ans Arbeiten. Chrisi zog im Elektro-Schrank alle Schrauben nach (natürlich erst nach der Abschaltung des gesamten Strom-Netzes) und zumindest die elektrische Zahnbürste (mein Luxus auf Reisen 😉) wurde vom Wechselrichter geladen. Den Kochherd hatten wir schon weggepackt. Da hofften wir das Beste! Chrisi schraubte die Wasserpumpe weg, ich reinigte den Filter, dann wurde alles nach- und festgeschraubt und: sie machte wieder ihren Job 😊! Puuuh!
Wir fuhren nur noch die 100 km (eine sehr schöne Strecke) nach Tolhuin am Lago Fagnano und checkten beim Camping Hain ein, einem urigen Campingplatz direkt am See, der alles (wirklich alles) recycelt. Tolhuin liegt bereits auf der Insel Feuerland und ist mit rund 9900 Einwohner die drittgrößte (!) Stadt der Insel. Der Ortsname leitet sich von dem Selk`nam-Wort „Tolwyn“ ab, was „Herz“ bedeutet. Tolhuin liegt etwa auf halbem Weg zwischen den beiden größten Städten Rio Grande und Ushuaia und (wer hätte es gedacht) an der Ruta 3, der Panamericana.
Der Lago Fagnano (103 km lang und somit länger, als der Bodensee) ist ein Süßwassersee, den die Grenze zwischen Argentinien und Chile von Nord nach Süd durchschneidet. Benannt ist er nach dem Salesianer Giuseppe Fagnano (1844-1916), den der Vatikan 1883 zum Apostolischen Präfekten des südlichen Patagoniens, Feuerlands und Malwinen (Falklandinseln) ernannte. Sein altes Missionarshaus befand sich (eingezäunt) auf dem Campingplatzgelände. Eigentlich wollten wir einen Campingplatz zum AUSGIEBIGEN Duschen, aber die war nicht einladend! Sie hatte anscheinend warmes Wasser, wenn nur eine Person duschte, aber bei mehreren (es gab nur eine bei den Frauen und eine bei den Männern) Personen war das Wasser kalt und man musste zwischen 40 und 50 Minuten warten ☹. Außerdem blies ein kalter Wind (in diesem Fall durch jede Ritze in der Hütte) und sie war nicht beheizt! Aber unser Stellplatz ganz vorne am See war wirklich traumhaft schön!








Wir verlängerten um eine Nacht und machten die Wanderung zur Laguna Negra. Weit entfernt sahen wir die schneebedeckten Berge der Andenausläufer. Die Bäume hatten lange Flechten am Stamm und in den Ästen; es sah aus, wie im Zauberwald. Wir waren in Feuerland (Tierra del Fuego), das sowohl zu Argentinien als auch Chile gehört.
1520 stattete Magellan auf seiner Suche nach einer Durchfahrt zu den asiatischen Gewürzinseln Feuerland einen Besuch ab. Vorbeifahrende Seefahrer tauften den Archipel Feuerland nach den Lagerfeuern, die sie an den Ufern erspäht hatten. Sie stammten von den Ureinwohnern, die später durch die Besiedlung der Europäer im frühen 19. Jahrhundert fast vollständig ausgelöscht wurden.









Am nächsten Morgen machten wir uns auf zur finalen Etappe: USHUAIA – das Ende der Welt! Genauer gesagt ist eigentlich Puerto Williams, Chile auf der anderen Seite des Beagle Kanals der südlichste Ort, ABER, er ist eine Militärbasis mit einem Dorf, das wenige Einwohner hat. Deshalb kann sich Ushuaia mit 82.615 Einwohnern (Stand 2022) die südlichste Stadt der Welt nennen. Obwohl da wieder Chile um die Ecke kommt und sagt für eine Stadt habt ihr zu wenige Einwohner und deshalb ist Punta Arenas in Chile mit ca. 146.000 Einwohnern die südlichste Stadt 😊. Und -unter uns- ganz streng genommen käme ja auch noch das Kap Hoorn als südlichster Punkt in Frage. Aber auf jeden Fall endet die Ruta 3 und somit die Panamericana ein Stück hinter Ushuaia und ohne Schiff geht’s nicht mehr weiter. Aber zuvor mussten wir noch über den Garibaldi Pass, der wunderschön gewesen wäre, hätten wir nicht den Himmel in schwarz und grau Tönen und Schneeregen gehabt. Dennoch boten die Andenausläufer einen wahnsinnigen Anblick.







Egal, wen wir die letzten Wochen kennenlernten, ALLE hatten das Ziel Ushuaia (und unbedingt an Weihnachten)! Bei der Recherche, wo wir Muddy dort abstellen würden, um uns a) die Stadt anzusehen und b) zu schlafen, fanden wir nichts! Wir schrieben zwar einige Koordinaten der App IOverlander auf, aber schon mit den entsprechenden Bemerkungen „vermutlich geschlossen“, „nur für Zelte“, „gibt’s vielleicht nicht mehr“, „Parken für Wohnmobile verboten“ etc.
Ushuaia (das Wort kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet „Bucht, die nach Osten blickt“) liegt an einem Hang und steile Straßen führen zum Hafen, wo ein Tanker und ein Kreuzfahrtschiff lagen.
Englische Missionare errichteten 1869 eine Missionsstation in Ushuaia. 1884 eroberten argentinische Seestreitkräfte Ushuaia für Argentinien.
Es war verkehrsmäßig die Hölle los (klar, es war Feierabend-Verkehr) und bislang fuhren in keiner Stadt so viele Autofahrer so aggressiv. Wir fanden weder Parkplatz noch Campingplatz, außer dass uns das Navi mal wieder eine Stadtbesichtigung gönnte. Wir retteten uns auf die Ruta 3 und fragten uns, wo all die Massen mit dem Ziel „Fin del Mundo“ ihre Wohnmobile lassen würden. Einige hatten Kreuzfahrten gebucht, die über Weihnachten und zum Teil auch Silvester gingen und in die Antarktis führten (ca. 1.000 km entfernt) und (siehe oben) viele wollten ja auch Weihnachten in Ushuaia verbringen. Ich gebe zu, ich träumte auch mal kurzfristig davon.
Auf dem Weg zum Nationalpark fuhren wir beim Club Colegio del Sur vorbei, wo sich früher mal ein Campingplatz befand. Ich fragte nach, ob wir dort übernachten dürften und dass wir nichts brauchten. Ob es doch noch ein Campingplatz war, konnte ich nicht herausfinden. Vielleicht schon, denn eine Dusche sollte knapp 9,00 Euro kosten und war limitiert von 9.00 bis 12.00 Uhr und von 14.00 bis 17.00 Uhr. 17.00 Uhr war längst vorbei und nachts/morgens sollte es 2 Grad geben. Nein, wir würden keine Dusche nutzen. Dann, so die Info, dürften wir kostenlos hinter dem Rugbyfeld auf der Pferdekoppel schlafen 😊.
Nach einer ruhigen Nacht fuhren wir zum Parque Nacional Tierra del Fuego (Nationalpark Feuerland), bezahlten am Parkeingang 60.000 argent. Peso (Stand heute ca. 36,00 Euro für Muddy und uns). Dafür durften wir drei Tage und zwei Nächte bleiben und im Park kostenlos übernachten. Am Stellplatz (Laguna Verde) gab es nichts, außer Natur und vier Dixis. Zuerst fuhren wir aber die Ruta 3 durch den Park bis an ihr finales Ende! An diesem Punkt war viel los, denn alle wollten ein Bild vom Schild 😊 (wir auch!). Danach gings einen Boardwalk entlang mit Informationstafeln zum Leben der Yámanas, die vor 6.500 Jahren dort siedelten. Der Weg zu einem klitzekleinen Leuchtturm an der Lapataia Bay war hübsch, aber sehr schlammig.















Wir hatten Wanderlust und es war noch „früh“ am Tag (richtig dunkel wurde es nie, ab 23.00 Uhr dämmrig). So starteten wir noch die Wanderung „Hito XXIV Trail“, die am Acigami See entlang, bis zur Grenze Argentiniens mit Chile führte. In der Wanderkarte stand, moderate Wanderung, 3,5 km (one way), 3 Stunden. Wir parkten am Lago Roca und marschierten los. Nach gut 1,5 km kam das Startschild mit 4 km (one way) und 3,30 Stunden. Also, die Parkleitung sollte schon wissen, wie lange ihre Wanderungen sind und dauern! Aber auf jeden Fall war sie sehr schön! Und am Ende war tatsächlich ein Schild, dass man an der internationalen Grenze zwischen Argentinien und Chile sei und sie nicht überschreiten dürfe. Auf dem Rückweg fing es leicht an zu regnen, hörte am Campingplatz aber schon wieder auf. Die Einheimischen sagen, dass man hier alle vier Jahreszeiten an einem Tag habe.

bei der Hito XXIV Wanderung










Auf dem Campingplatz trafen wir Aenne und Bernhard aus Calw wieder. Ursprünglich hatten wir sie im Juni 2024 in San Felipe, Baja California, Mexiko kennengelernt und auf einem Supermarktparkplatz in Rio Grande, Argentinien vor vier Tagen wieder getroffen. Seither kreuzten sich unsere Wege öfters, aber wir hatten bislang noch keine Gelegenheit uns zusammen zu setzen. So trafen wir uns vor ihrem Auto bei Sonne und Regen auf einen vorgeschobenen Sundowner.
Am nächsten Morgen hatte es 5 Grad, Schnee- und Graupelschauer und Depri-Himmel. Wir machten dennoch die Wanderungen zur Laguna Verde, Laguna Negra (gibt’s hier anscheinend oft 😊) und zum Aussichtspunkt auf den Lapataia See.
Es war der 17.12. und wir hatten noch immer keinen Plan, wo wir Weihnachten verbringen wollten.

Aenne und Bernhard






Am letzten Tag im Nationalpark besuchten wir das südlichste Postamt der Welt in der Bucht Bahia Ensenada Zaratiegui, wo man Briefe mit dem „Ende-der-Welt“-Stempel verschicken und einen speziellen Stempel in den Reisepass bekommen konnte. Aber leider war es geschlossen ☹. Vermutlich sogar dauerhaft (unter uns Klosterschwestern: eigentlich befindet sich das südlichste Postamt der Welt in Port Lockroy in der Antarktis, aber das ist nicht so entscheidend 😉).
Danach fanden wir einen Stellplatz zum Schlafen auf dem Camping Municipal am Parkeingang und sogar kostenlos (dafür auch mit nichts), am Bahnhof des „Tren del Fin del Mundo“, der (natürlich!) die südlichste Eisenbahn der Welt ist 😉. Zwischen 1909 und 1952 diente eine etwa 25 km lange, von Ushuaia ausgehende Bahn dem Materialtransport (Holz und Steine) für ein Gefängnis in Ushuaia sowie dem Transport des von den Häftlingen geschlagenen Holzes. Die heutige Schmalspurbahn ist ein Nachbau.






Luftlinie waren es vom Camping Municipal nach Ushuaia zwischen 8 und 11 km (je nach Quelle 😊). Zuviel zum Laufen und zu kalt fürs Motorrad (und wegen einem Tag runter machen, lohnt sich eh nicht). Deshalb probierten wir UBER aus. Eine Plattform (APP) über die man sich jemanden suchen kann, der mit seinem Auto in der Nähe ist und für einen vereinbarten, sehr günstigen Festpreis (viel billiger, als Taxi fahren!) einen abholt und zum angegebenen Zielort fährt (hat super geklappt – wir sind nun UBER-Fans! Die App funktioniert übrigens weltweit).
Am Hafen von Ushuaia hatten wir dann auch gleich festgestellt, dass wir für Muddy gar keinen Parkplatz gefunden hätten. Es lagen zwei Kreuzfahrtschiffe im Hafen und der zweite UBER-Fahrer erzählte uns, dass ab heute (19.12.) die Sommerferien in Argentinien begonnen hätten, 30 % der Menschen aus der Provinz Cordoba (so schätze man), nach Ushuaia unterwegs wären und täglich nun über 17 Kreuzfahrtschiffe im Hafen ankämen! Und wir fanden es heute schon voll! Vor allem nach 16.00/16.30 Uhr, wo nach der Siesta alle Geschäfte wieder öffneten. Es gab auch viele Outdoor-Läden, aber die Sachen, vor allem Wanderschuhe (von schlechter Qualität) waren dreimal so teuer, wie in Deutschland. Es wimmelte von Asiaten, die offensichtlich jeden Preis bezahlten.
Ushuaia liegt am Beagle Kanal, einer natürlichen Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Benannt ist der Kanal nach dem britischen Forschungsschiff Beagle, mit dem Robert FitzRoy (erste Fahrt) die Wasserstraße 1831 entdeckte. Er ist 240 km lang und an der schmalsten Stelle 5 km breit.
Wir erfuhren auf Schautafeln hinter dem Museum auch neues über den Garibaldi Pass.
1952 fuhr ein Jeep der Marineinfanterie auf diesem „Weg“. Das erste Fahrzeug, das den Pass im November 1956 überquerte, war ein Willys Jeep der National Highway Administration. Er startete um 16.00 Uhr in Ushuaia und erreichte Rio Grande um 2.00 Uhr morgens. Auf der Rückfahrt wurde er vom ersten Privatwagen begleitet, der den Garibaldi Pass überquerte, einem Buick-Pickup von 1926. Zwei Tage später trafen die Amerikaner Frank und Helen Schneider in einem Amphibienfahrzeug in Ushuaia ein, nachdem sie aus Alaska angereist waren. Sie waren damit die ersten Touristen, die den Garibaldi Pass überquerten.
Und über das Ritual des Erwachsenwerdens der Selk`nam, die sich rot/weiß bemalten, Phallus-Hüte aufsetzten, sich entsprechend verkleideten und junge Mädchen erschreckten. Und wir hatten uns in Cerro Sombrero, Chile auf dem Hotelparkplatz über die krasse Bemalung des Nebengebäudes gewundert und dachten, es hinge vielleicht irgendwie mit Karneval zusammen 😊!
Um das historische Haus (erbaut 1927) der Familie Sora, eine der ersten Siedler-Familien von Ushuaia, wurde ein Hotel gebaut.












Garibaldi Pass Nr. 2

Willys Jeep







Wir blieben noch einen weiteren Tag auf dem Municipal Camping, verabschiedeten uns von Aenne und Bernhard, die zu einer Kreuzfahrt in die Antarktis aufbrachen und sortierten unsere Bilder für die Webseite. Auf dem Grundstück gegenüber spielten kleine Fuchs-Kinder unter den wachsamen Augen der Eltern Fuchs 😊.

Aenne und Bernhard



Am nächsten Morgen entschieden wir spontan gleich nach dem Einkaufen und Tanken nicht über den Garibaldi Pass zurück zu fahren, sondern noch nach Puerto Almanza am Beagle Kanal zu fahren. Nach ca. 40 km auf der Ruta 3 Ushuaia-auswärts gings auf eine wunderschöne Piste durch den Wald und diese führte uns nach ca. 50 km nach Puerto Almanza. Der Ort liegt in einer kurzen Häuserreihe direkt am Beagle Kanal und schräg gegenüber von Puerto Williams, Chile (wie ihr wisst, das südlichste Dorf der Welt 😉). Puerto Almanza ist ein kleines Fischerdorf und bekannt für die Zucht von Königskrabben. Chrisi träumte davon, dort eine zu essen, weil sie in Ushuaia viel zu teuer waren, aber auch in Puerto Almanza waren sie nicht günstiger!
Weil wir uns mal wieder über unser Navi ärgerten, weil es uns einen so großen Bogen bis hierher fahren ließ, fuhren wir die Piste einfach weiter Richtung Ushuaia, ob dieser Weg nicht kürzer gewesen wäre. Sie endete allerdings nach ca. 12 km am Zaun eines militärischen Sperrgebietes 😉. Für heute waren wir mit dem Navi ausgesöhnt und fuhren wieder zurück. Am Ortsende fanden wir auf einer Pferdekoppel einen herrlichen Schlafplatz am Beagle Kanal mit Blick auf die chilenischen Anden.
Nach einer guten und ruhigen Nacht und nach dem der Platz wirklich schön war, entschlossen wir uns noch einen Tag länger zu bleiben. Wir machten eine längere Wanderung am Beagle Kanal entlang, durch den „Ort“ durch und noch ein Stück die Piste entlang, um dann durchgefroren (trotz etlicher Schichten Kleidung) wieder bei Muddy anzukommen. Am „Ortsanfang“ trafen wir tatsächlich Sabine und Martin wieder! Ihre Kreuzfahrt startete am 28.12. in Ushuaia und sie hatten noch Zeit. Deshalb stellten sie sich hinter uns auf die Wiese.
Morgens (ich noch am Tisch, Chrisi am Elektroschrank etwas Nachschauen) wackelte Muddy wie verrückt! Chrisi dachte sofort an ein Erdbeben und wir schauten raus. Am Blinker und dem Außenkasten rechts hinten rieb sich unser Pferd“nachbar“ eifrig aufgrund grässlichen Juckens den Hintern! Er ließ sich nur schwer vertreiben. Als wir zur Wanderung aufbrachen, sicherten wir die Treppe vor ihm und bauten zwei „Palisaden“-Äste als Schutz an die Stelle, denn er hatte den Blinker und das Katzenauge schwer verbogen. Als wir zurück kehrten fehlte eine Palisade und der Blinker war noch schlimmer, aber in die andere Richtung verbogen. Sabine und Martin hatten beobachtet, dass der Besitzer danach kam und das Pferd viele Meter -außer Reichweite des LKWs- neu angebunden hatte. Zufall?!
Für den Weihnachtsbaum musste Chrisi noch einige Dosen Bier trinken und dazu gab es gegrillte Würstchen mit Zwiebelringen und Chimichurri Soße (echt argentinisch! Sieht aus wie Salatsoße, hat die richtige Schärfe und ist so pervers, dass sie schon wieder gut ist).
Sabine und Martin, als echte Frühaufsteher, verabschiedeten sich schon bald. Wir verließen am 23.12. um 12.00 Uhr mittags Puerto Almanza in nordöstlicher Richtung um Weihnachten wieder in Tolhuin am Lago Fagnano auf dem Camp Hain zu verbringen. Unterwegs begegneten uns jede Menge Wohnmobile, auch mit deutschen Kennzeichen und Motorräder auf dem Weg nach Ushuaia. Es war sicher eine gute Entscheidung von uns, das überfüllte Ushuaia für Weihnachten zu verlassen.



Puerto Almanza














Auf dem Camp Hain freute man sich sehr, uns zu sehen! Wir bekamen unseren Stammplatz am See 😊 und erfuhren, dass die Fähre über die Magellanstraße am 24./25./26.12. wegen starken Sturms gesperrt sein KÖNNTE und dass ab 26.12. große Touristenströme über die Grenze Argentinien/Chile mit dem Ziel Nordargentinien (oder wie wir später erfuhren auch gerne nach Brasilien) erwartet würden ☹. Eigentlich wollten auch wir am 26.12. diese Route (Grenze/Magellanstraße) nehmen. Seufz! Es nieselte schon wieder und windete entsetzlich, so dass wir uns in den Shelter verzogen. Chrisi stürzte sich gleich auf die Produktion des Weihnachtsbaums 😉.
Am Heiligen Abend waren wir echt fleißig! Füllten die Wassertanks, leerten die „sanitäre“ Anlage und fragten bei der Camp-Familie, ob wir uns etwas von dem Sägemehl hinter dem Office für unsere Trenntoilette holen könnten. Wir durften! Denn langsam gingen die deutschen Vorräte zur Neige und in Südamerika gab es leider weit und breit kein Kleintierstreu zu kaufen (vermutlich werden sie schneller gegessen, als gehegt und geknuddelt!). Und auch Schreinereien hatten wir keine gesehen. Dann schnitten wir uns sogar noch gegenseitig die Haare, was echt notwendig war, aber aufgrund des Wetters nie möglich. Wir nutzten das zweistündige regenfreie Zeitfenster und kämpften nur mit dem Wind.
Und dann war es auch schon Zeit, um mit der Familie in Deutschland zu telefonieren 😊! Danach schnippelten wir eifrig für die Gemüsepfanne und kochten draußen in der Kälte. Ohne Chrisis genialen Windschutz wäre das gar nicht möglich gewesen. Bei rockigen Weihnachtsliedern und unserem Bierdosen-Weihnachtsbaum feierten wir noch die halbe Nacht.
Wir machten erst am 25.12. unsere Weihnachtswanderung und sahen sogar einen Biber. Zurück am Shelter mussten wir schon wieder unsere Wasserfilter reinigen, weil nur noch ein Rinnsal aus dem Hahn tropfte. Vielleicht sorgte das Wasser aus dem See für die verschmutzten Filter.



mit Windschutz



So schön unser Ausblick auf den See auch war und dass wir den Campingplatz für uns alleine hatten, das Wetter ging uns so richtig auf die Nerven! Am 26.12. machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Bis zur Magellanstraße leider genau die gleiche Strecke, aber egal, denn wir sahen endlich wieder blauen Himmel 😊!! An der YPF-Tankstelle in Rio Grande stürmte es genauso wie das letzte Mal. Muddy schwankte so stark, dass es uns Beiden ganz blümerant wurde. Sogar das WC-Papier auf dem Halter im Schrank hatte sich selbst aufgrund der Schwingungen abgewickelt. Chrisi versuchte Spanisch zu lernen und ich schrieb seekrank 😉 am Dezember-Bericht weiter.



Wir hoffen, ihr hattet Alle schöne Weihnachten und wünschen Euch einen guten Rutsch in ein gesundes und glückliches neues Jahr 2026!
Wo wir Silvester feiern und wo uns die Reise noch hinführt, folgt in unserem Januar-Bericht.
Bis dahin Euch alles Gute von den

