Von Jaureguiberry, Uruguay nach Puerto Madryn, Argentinien

Reiseroute Uruguay

Reiseroute Argentinien

Abends kamen dann noch ein Paar der Montevideo-Reisegruppe (Agathe und Michael) auf dem Campingplatz bei Silvia an und die Wiedersehensfreude war groß. Am nächsten Morgen kamen wir einfach nicht weg! Bis wir uns bei allen verabschiedet und bezahlt hatten, nochmals Frischwasser getankt und entsorgt hatten, war es schon 13.00 Uhr ☹. Viel zu spät! Wir fuhren zum Einkaufen, denn der Kühlschrank war leer. Beim letzten Einkauf hatten wir eine sehr teure Supermarktkette erwischt und ganz wenig eingekauft. Das „El Dorado“ (das echte stelle ich mir weitaus schöner vor 😉) in Las Flores war zwar tatsächlich nur von Einheimischen besucht und er war ein kleines bisschen günstiger, aber eine Freude war es nicht. Uruguay gilt als das sicherste Land von Südamerika (oder wie eine Bekannte sagte „El mejor pais“), aber es ist teuer!

Nachdem wir alles verstaut hatten, ging es weiter die Küstenstraße entlang nach Punta del Este, einem bekannten Ferienort (laut Reiseführer mit viel Prominenz). Eigentlich wollten wir die berühmte Hand im Sand (La Mano en la Arena) des chilenischen Künstlers Mario Irarrázabal ansehen. Aber dummerweise war Samstag und der Verkehr so stark, dass wir nicht durch die ganze Stadt bis ans andere Ende fahren konnten (Sperrung). Und Parkplätze für unseren Boliden gab es auch nirgends. O.k., dachten wir uns, es ist 15.45 Uhr, theoretisch noch zu früh, aber suchen wir mal langsam einen Schlafplatz und sehen uns die Hand morgen an. Der Schlafplatz der APP IOverlander (die eifrige Leserin und der eifrige Leser erinnern sich natürlich 😊) war ein Parkplatz auf einer Sandpiste in einem Wohngebiet und war so gruslig, dass wir weiterfuhren. Dann entschieden wir uns für einen Platz in San Rafael. Für diesen hätten wir über eine sehr interessante Brücke fahren müssen, die wie in Wellen hoch und runter ging. Aber, sie war nur bis fünf Tonnen zugelassen ☹! Wir versuchten alle möglichen Straßen, aber es gab keine Möglichkeit für uns San Rafael zu erreichen. Wir mussten wieder ins Landesinnere nach San Carlos und von dort wieder runter zur Küste, um hinter der Brücke anzukommen.

Ich fand (natürlich über IOverlander) in San Carlos noch einen, wie ich zuerst dachte, Campingplatz, aber es war wohl nur eine Art Stadtpark (!) mit dem Kommentar, dass der Ort nicht sicher sei. Wir fuhren kreuz und quer durch San Carlos und dann blieben wir „stecken“, weil zwei Autos vor uns auf der Straße so parkten, dass wir unmöglich durchfahren konnten. Chrisi musste alles rückwärts rausfahren, aber da hatte sich hinter uns schon eine Schlange von 8 Autos gebildet. Ich stieg also aus und bat (in schlechtem Spanisch) alle Autofahrer doch bitte ebenfalls rückwärts zu fahren. Gott sei Dank sind die Menschen in Uruguay so „tranquillo“.

Mit IOverlander suchten wir verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten, z. B. bei einer deutschen Familie (den Abzweig auf der Straße gab es nicht mehr), noch einen anderen Campingplatz (den gab es nicht mehr) oder auf einer Farm (ab der Baustelle ging es nicht mehr weiter) etc. Es dämmerte schon ziemlich, als wir uns entschlossen, auf dem Picknickplatz an der Straße in der Nähe von Pueblo Eden, einem 250 Einwohner Dorf zu schlafen. Eine freundliche Senora, die mit ihrem Hund vorbei kam meinte, es wäre sicher und wenn etwas wäre, dann würde sie im Dorf in einem rosa Haus wohnen und wir sollten dann vorbeikommen. Gott sei Dank war es mittlerweile so dunkel, dass wir das Schild „Campen verboten“ erst am nächsten Morgen lasen 😊! Wir waren ca. 40 Kilometer von Punta del Este entfernt und nur genervt!

Die Nacht war ruhig, aber schlaflos! Kaum waren wir im Bett kam die Nachricht von Antel, dem Mobilfunkanbieter, dass nun unsere SIM-Karte leer wäre und wir „Zack-Bums“ nun offline! Wir hatten die Karte seit Montevideo im Telefon und dachten eigentlich wir hätten 90 GB auf der Karte! Nun waren gerade mal 1,6 GB verbraucht!

Ohne jede Hoffnung marschierten wir am nächsten Vormittag (Sonntag!) zu einem Mini-Mini-Supermarkt an der Straße, der fast nichts im Angebot hatte, aber wir konnten für max. 200 Uruguay Peso aufladen (das sind Stand heute 4,35 Euro). Leider konnte uns die sehr freundliche Dame hinter dem Tresen nicht sagen, wieviel GB wir überhaupt oder nun hatten. Das gleiche Problem wie in Montevideo. Na, egal, Hauptsache wir waren wieder online und hatten Internet.

Das sehr kleine Pueblo Eden oder auch El Eden (warum hat hier alles immer mindestens zwei Namen?), welches wir „erwanderten“, gab nichts her. So setzten wir uns, bei Muddy zurück, mit Landkarte an einen der Picknicktische und verwarfen Plan A noch ans Cabo Polonio („wilder“ Nationalpark), Punta del Diablo (Fischerdorf mit Hippie Charme) und vor allem die Fortaleza de Santa Teres (eine Festung von 1762 oder zumindest was von ihr übrig ist) und somit fast bis zur brasilianischen Grenze zu fahren. Das wären nochmals über 210 km einfach gewesen und wir müssen uns ja auch immer alles GANZ genau anschauen😊. Außerdem hatten wir noch immer Silvias Abschiedsworte im Kopf, dass es bis Feuerland mindestens um die 3.500 km und viele jetzt schon nach dorthin unterwegs wären wegen dem schmalen Zeitfenster dort unten und im Übrigen gäbe es auch auf der argentinischen Atlantikseite viele Nationalparks! Und wir wollten ja auch noch Colonia del Sacramento besichtigen, dann den Rio de la Plata und den Rio Uruguay entlang um dann an der nördlichsten Grenze von Uruguay nach Argentinien einzureisen: also dann: Plan B war geboren! Denn die Strecke nach Brasilien (oder von dort wieder runter) würden wir ganz sicher noch fahren.

Dennoch wollten wir uns noch den 305 m hohen Cerro Arequita ansehen und hochwandern (ja, Uruguay ist eher flach 😉).

In Minas (super freundliche Einwohner!) kauften wir für den Park ein und tankten einen Benzinkanister voll für den Herd der Außenküche. Das klingt nach schneller Erledigung, aber die Straßen waren eng und die Stromleitungen hingen tief ☹. Im Park Cerro Arequita (ca. 10 km nördlich von Minas) endlich angekommen, war der Campingplatz zuerst mega voll und im Pool sah man vor lauter Menschen das Wasser gar nicht mehr, aber dann setzte die Sonntagabend-Rückreise-Welle ein und wir waren GANZ ALLEINE auf dem riesigen Platz. Chrisi freute sich auf FLEISCH 😊 und beim Lagerfeuer ließen wir den Abend ausklingen. Ein bisschen kam ich mir vor, wie in Kanada.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf zum Eingang des Parks. Das Campingplatztor des hinteren Eingangs war verschlossen, aber es war problemlos zum drübersteigen. Allerdings war auch der Eingang auf der anderen Straßenseite zum Park geschlossen und die Kette am Törchen war stabiler, als die Verankerung. Beim drüber klettern hätten wir es sicher zerstört. So „falteten“ wir uns mehrfach zusammen und arbeiteten uns durch einen anderen Zaun durch. Claudio, der Parkwächter, war nirgends zu sehen und die Info am Campingplatz-Office dann einfach durchzugehen, nahmen wir wörtlich 😊. Warum der Park geschlossen war, wussten auch die Lehrer in den vier Bussen nicht, wollten aber drei Schulklassen auch nicht „unten“ durch schicken. Der Aufstieg dauerte zwar nur ca. 45 Minuten, aber es hatte 30 Grad im Schatten und es ging wirklich STEIL bergauf. Oben hatten wir einen schönen Ausblick und bald machten wir uns wieder an den Abstieg, der es auch in sich hatte! Dabei begegneten uns sowohl die Lehrer, als auch jede Menge Schülerinnen und Schüler im Abi-Alter (wobei man sagen muss, dass die Jungs weitaus die bessere Kondition hatten! Aber, sagte Chrisi, die Mädels riechen besser 😉!).

Unten am Parkausgang stand dann tatsächlich Claudio! Er fragte nicht, wie wir reinkamen und wir sagten nichts 😊. Aber er erklärte uns noch viel vom Berg, da er Geologe und Höhlenforscher war. So ist der Berg vor zig-zig-Millionen Jahren entstanden (Claudio wusste natürlich die ganz genaue Zahl), als andere Teile von ihm (dem Berg) dann die Atlantikküste Südamerikas bildeten.

Wir hatten von unserem Workout noch nicht genug und erkundeten das riesige Campingplatz-Gelände. Vor dem Eingangs-Gatter stand ein großer Bus und auf dem Campingplatz wimmelte es von Schülern (nein, das waren nun andere). Gott sei Dank waren wir auf der gegenüberliegenden Seite!

Den Abend ließen wir mit zwei herrlich langen, heißen Duschen und einem Lagerfeuer ausklingen.

Am nächsten Tag ging es nach einem guten Rührei-Frühstück 😊 noch ein Stückchen in den Osten zu einem Wasserfall (Cascada del Penitente). Leider war es nur ein Rinnsal ☹, aber die Straße dorthin war aufregend. Pferde, Leguane und Füchse sagten sich hier „Gute Nacht“. Dafür war es allerdings noch zu früh, deshalb fuhren wir wieder zurück, durch Minas durch (das wievielte Mal eigentlich?) und fanden einen Platz auf einer Wiese hinter einem Haus (einer Firma?), an der Ruta 8, der aber eigentlich schon ein Campingplatz war. Leider fing es an zu regnen, als der nette Nachbar Pablo aus seinem Haus kam. Er konnte gut Englisch, hatte Ingenieurwesen studiert und bewunderte deutsche Technologien (und Muddy 😉). Ach ja, zu Minas wollte ich noch etwas schreiben, denn wir kamen ja ständig dort durch. Gegründet wurde die Stadt 1783, als sich hier 152 Siedler aus Asturien und Galicien niederließen. In der Umgebung der Stadt gibt es viele Minen und Stollen, auf die der Name „Minas“ zurückzuführen ist. Rund fünf Kilometer östlich von Minas existieren Gold-Vorkommen.

Nach einer ruhigen Nacht ging ich am nächsten Morgen vor zur Firma um die 400 Peso (ca. 8,80 Euro) zu bezahlen. Der freundliche Herr, der uns am Vorabend begrüßt hatte, war tatsächlich der Eigentümer! Er schenkte uns noch Wasser für die Tanks und aus seiner Konditorei/Bäckerei zwei ganz frische, kleine „Kuchenkekse“, gefüllt mit „Dulce de Leche“ (dafür wird gesüßte Milch in 14 – 16 Stunden zu Karamellsoße gekocht). Außen herum war eine Art Baiser. Wenn die Mexikaner die Könige der verschiedenen Chips-Packungen sind, dann sind die Uruguayer die Könige der Kekse! Die Regale der Supermärkte sind voll davon. Aber, die sind alle nicht so gut, wie die von Senior Camping D`Colores. Wer da mal in der Nähe sein sollte: nichts wie hin 😉!

Auf der Ruta 81, einer Landstraße ohne Maut, die auch sehr oft nur eine Piste (mit viel „Wellblech“) war, fuhren wir durchs Hinterland. Die Gegend war sehr schön und unglaublich grün. Einstöckige Häuser waren die große Ausnahme. Über das Erdgeschoß kamen die Häuser nicht hinaus. Vor fast jedem Haus war ein Pferd angebunden und auf den saftigen Wiesen waren Schafe, Kühe und junge Stiere. In den Dörfern ging es sehr beschaulich zu, was nicht wundert, denn die meisten der 3,4 Mio. Einwohner Uruguays leben in Montevideo. Wir kamen noch bis Santa Lucia und bis wir einen Supermarkt fanden, vor dem wir möglichst parken konnten, ohne die ganze Fahrbahn zu versperren und einkauften, war es schon so spät, dass wir uns auf Stellplatz-Suche zum Übernachten machten. Der einzige Campingplatz wurde renoviert und erst in sechs Wochen wieder eröffnet. O.k., wir brauchten auch keinen, nur einen Stellplatz. Die zwei Damen sagten jedoch, wir könnten nicht vor dem Schlagbaum schlafen. Der Platz wäre nicht sicher! Da wir eh tanken mussten, fragten wir an der Tankstelle (super freundlich!) und durften dort tatsächlich an der Seite vor einem Zaun Muddy abstellen. Nicht hinter dem Zaun, dort standen die Stadtbusse 😊. Wir rechneten mit einer sehr lauten Nacht an der Ruta 11 und der immer geöffneten Tankstelle (24/7).

Nach einer sehr ruhigen Nacht 😊 gings weiter Richtung Colonia del Sacramento. Leider gab es keine Möglichkeit mehr, auf Nebenstraßen zu fahren, sonst wären wir sehr vom Weg abgekommen. So fuhren wir notgedrungen die Ruta 11 und 1 zum Ziel. Die Hauptstraßen sind Mautpflichtig (wie wir schon gelernt hatten). Dass allerdings ungefähr alle 78 km eine Mautstelle mit einer Gebühr von 156 Urug. Peso (3,42 Euro) anfällt, fanden wir schon viel!

Unsere Anlaufstellen in Colonia del Sacramento (mit Hilfe von Koordinaten aus drei verschiedenen Apps für Übernachtungsmöglichkeiten) waren entweder mittlerweile verboten, durch Baustellen gesperrt oder von PKWs zugeparkt ☹. So mussten wir leider auf den einzigen Campingplatz in Stadtnähe (zu Fuß ca. 2 km bis zur Altstadt) fahren. Er war dreckig und teuer! Ein übler Campingplatz! Man konnte nichts benutzen und überall lagen Kleider rum (?!). Ekelhaft! Aber, wir hatten unser Haus ja dabei und weiter draußen hätten wir das Pony runtermachen müssen und es sollte am nächsten Tag regnen. Geschweige denn, dass sich der Aufwand für nur einen Tag nicht lohnt. So überließen wir Muddy seinem Schicksal (es war nur noch eine junge Frau mit Hund, Fahrrad und Zelt auf dem Platz) und wanderten nach Colonia del Sacramento, deren Altstadt UNESCO-Welterbestätte ist.

Die Portugiesen gründeten Colonia 1680, um Waren über den Rio de la Plata nach Buenos Aires zu schmuggeln. Es folgte ein Jahrhundert mit Belagerungen und Kämpfen, währenddessen Colonia mehrmals zwischen Portugal und Spanien wechselte. 1777 erhielten die Spanier mit dem Vertrag von San Ildefonso eine etwas solidere Kontrolle über die Stadt. Ihre wirtschaftliche Bedeutung nahm jedoch ab, da ausländische Waren direkt nach Buenos Aires gebracht werden konnten.  

Colonia hat noch immer irgendwie diesen Charme eines alten Schmugglerstädtchens. Das Kopfsteinpflaster in der Straße der Seufzer (Calle de los Suspiros) ist tatsächlich noch aus der Zeit der Portugiesen! Der Leuchtturm (Faro) aus dem 19. Jahrhundert ist aktiv und steht inmitten der Ruinen des im 17. Jahrhundert erbauten Convento de San Francisco und überall gibt es sehr hübsche Lokale.

Einen von Schülern gut besuchten Burger King gab es auch. Wir lachten immer, wenn wir die Schul“uniformen“ sahen, denn sie bestanden aus einem weißen Kittel und großen blauen Schleifen (für die Mädchen?). Chrisi erinnerten die Kittel an Maler, mich an Ärzte.

Noch ein bisschen Geografie: Streng genommen liegen Montevideo und Colonia del Sacramento am Rio de la Plata (der in den Atlantik fließt), aber erst Punta del Este liegt tatsächlich am Atlantik. Der Rio Negro „teilt“ Uruguay in Nord und Süd und wir würden den Rio Uruguay entlang fahren um irgendwann über die argentinische Grenze zu fahren.

Zurück am Campingplatz hatten wir neue Nachbarn bekommen: ein Ehepaar mittleren Alters mit Zelt und ohne Auto, vermutlich Obdachlose? Es wehte ein eiskalter Wind und die Menschen im Zelt hatten mein tiefstes Mitgefühl! Wir kochten eine Paprika-Zucchini-Zwiebel-Knoblauch-Pfanne und während des Essens machte es wieder BLING! und wir waren offline! Was für eine blöde SIM-Karte hatten wir da?! Das mussten wir am nächsten Tag in einem Telefonshop unbedingt klären.

Wir marschierten dann vormittags zum Shopping Center, ca 1,5 km weg vom Campingplatz, denn dort gab es einen Stand mit Handys und verschiedenen Mobilfunkanbietern, auch Antel. Die junge Dame konnte nur spanisch, insofern war es etwas schwierig, denn wir hatten bei Babbel gelernt, wie man mit einer spanischen Gebrauchsanleitung ein Regal aufstellt, aber leider nichts zum Thema Mobilfunk. Was für eine Karte im Telefon war, wusste auch sie nicht. Aber für 70 GB für max. sieben Tage bezahlten wir 270 Urug. Peso (ungefähr 5,70 Euro) und hofften sehr, dass es nicht in kurzer Zeit wieder BLING! machte. Und für Argentinien brauchten wir sowieso wieder eine neue, ganz andere Karte ☹. Über die Ruta 21 gings weiter nach Carmelo und Nueva Palmira. Auf der anderen Seite war Argentinien! Es schüttete aus Eimern und war echt kühl ☹. In Dolores versuchten wir unten am Fluss an einem Picknickplatz eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Aber die Bäume waren tief, der Fluss extrem hoch und der Weg eine Schlammschlacht. Dann also zurück, wieder durch ganz Dolores durch (Gott sei Dank waren die Stromleitungen dort etwas höher). Bei einer Ancap-Tankstelle, wo schon einige LKWs standen, fanden wir einen guten Stellplatz, aber auch mitten im Schlamm ☹.

Am nächsten Morgen, nach einer total ruhigen Nacht, war unser Schlammloch einigermaßen abgetrocknet. Aber wir wählten (natürlich nach dem Frühstück) wieder den Weg durch den Durchstieg ins Fahrerhaus. Nach ca. drei Stunden waren wir schon in Fray Bentos am Rio Uruguay angekommen. Wir quälten uns durch die engsten Gassen und Tore (ich dachte immer, wir sind hoffnungsvoll falsch!), bis wir endlich unten am Fluss (wo wir viel Aufsehen erregten) auf einer grünen Wiese standen und offensichtlich unser Ziel erreicht hatten: das Museo de la Revolución Industrial.

Wir erkundigten uns am Eingang nach einer englischen Führung und erfuhren, dass es zwei deutsche Abiturientinnen gab, die deutsche Führungen machen können (sie machen sonst die englischen). Welch Freude 😊! Solche Auslandsaufenthalte (zwischen sechs und zwölf Monaten) bieten viele Institute an. Hier war das Auswärtige Amt und die UNESCO verantwortlich.

Im Supermarkt von Colonia del Sacramento hatten wir zwei Tage zuvor ein deutsches Ehepaar (Michi und Raimund) kennengelernt. Sie hatten eigentlich andere Pläne, aber parkten dann doch plötzlich hinter uns. So machten wir die Führung gemeinsam. 

Die Liebig`s Extract of Meat Company gründete 1865 nahe der Flussstadt Fray Bentos ihre erste Fabrik in Südamerika. Daraus entwickelte sich rasch Uruguays wichtigster industrieller Komplex. Das von Briten geführte Unternehmen El Anglo übernahm den Betrieb in den 1920er-Jahren und zu Beginn des Zweiten Weltkrieg beschäftigte die Fabrik ca. 4000 Mitarbeiter und schlachtete pro Tag (!) 2000 Rinder. Das berühmteste Produkt der Firma, der Oxo-Rinderbrühwürfel, ernährte während des Zweiten Weltkriegs die Soldaten in den Schützengräben. Stanley nahm sie mit auf seiner Suche nach Livingston und Scott und Hillary packten sie für ihre Tour in die Antarktis und auf den Mount Everest ein. In ihren besten Zeiten wurden fast 150 verschiedene Produkte von der Firma hergestellt.

Auf unserer Führung kamen wir an dem LKW vorbei, welcher die Arbeiter 1956 bei ihrem zehntägigen Demo-Marsch nach Montevideo begleitet hatte, wo sie mehr Geld forderten. Ob sie dies bekamen, weiß ich leider nicht, aber es wurde ihnen danach zugesichert, pro Tag 2 kg Fleisch pro Person zu erhalten (es wird nicht das beste Stück gewesen sein!).

Im Bürotrakt sahen wir noch das Büro des Firmendirektors und den Schreibtisch des Mitarbeiters, der über 2 m groß war und schwere gesundheitliche Probleme beim Sitzen hatte. Aufstehen durften die Angestellten nur zweimal am Tag (einmal für einen WC-Gang und einmal für die Mittagspause). Nachdem der Mitarbeiter nach 40 Jahren Berufstätigkeit in Rente ging, sah man, dass er all die Jahre vor Schmerzen so mit den Füssen gescharrt hatte, dass er tiefe Spurrinnen im Fußboden hinterließ.

Übrigens: Justus von Liebig entwickelte nur das Herstellungsverfahren für Rindfleischextrakte (und einiges mehr), aber in Südamerika, geschweige denn Uruguay war er nie!

Ermattet von soviel Information setzten wir uns zum Sonnenuntergang an den Rio Uruguay.

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Michi und Raimund, die in Fray Bentos über die Grenze nach Argentinien wollten und genossen noch ein bisschen die Sonne. Dann entschlossen auch wir uns noch ein Stück weiter nach Nuevo Berlin zu fahren. Dort sollte es unten am Fluss einen Strand und einen bis 08.12. (Beginn Hauptsaison) kostenlosen Campingplatz (Punta Piedras) geben.

Ja, gab es, aber die sanitären Anlagen sorgten fast für Herpesblasen! Wir wollten unbedingt Haare schneiden und dann duschen. Aber da Sonntag war, fanden wir nur noch einen Platz in der prallen Sonne und ein Strandhund beschäftigte mich sehr mit pausenlos Stöckchen werfen. Fasziniert schauten wir der abendlichen „Vuelta“ zu. Gefühlt alle Einwohner von Nuevo Berlin, entweder zu Fuß, mit Mopeds (abartig lauten!) oder mit dem Auto fuhren immer den gleichen Kreisel um uns rum!

Wir hatten einen wahnsinnig netten Nachbarn, der meinte, er habe uns beim Museum in Fray Bentos schon gesehen und dann schenkte er uns ein kleines Sandwich mit Chorizo-Wurst (super fett!) drauf. Das größte Hobby eines Uruguayers ist, am Wochenende zuhause im Garten oder in öffentlichen Parks Asado  (Grillen von großen Fleischstücken oder Wurstsorten über Holzfeuer) zu machen. Dafür stehen überall gemauerte Grills zur Verfügung und die meisten trinken natürlich Mate Tee. Die Alkoholgrenze liegt bei 0,00 Promille und die Polizei nimmt das sehr ernst!

Weil der Rio Uruguay eine so beruhigende Wirkung hatte 😉, blieben wir noch einen Tag länger und schnitten uns gegenseitig die Haare schön kurz. Nachdem morgens das städtische Putzkommando durch war, konnte man auch duschen. War kein Wellnessbereich, aber wer wusste schon, was uns sonst noch so erwartete. Mittlerweile waren es zwei Hunde, die uns beschäftigten und überall nachliefen.

Salto in Uruguay ist berühmt für seine Thermalquellen und es ist der nördlichste Grenzübergang nach Argentinien. In Fray Bentos wollten wir nicht über die Grenze, weil es auf der anderen Seite zu nah an Buenos Aires war. Beim nächsten Grenzübergang lag Rosario, die gefährlichste Stadt ganz Argentiniens nicht weit. Hätte uns zwar interessiert, weil Ernesto Che Guevara (14.06.1928 – 09.10.1967) in Rosario geboren ist (Lionel Messi auch, aber das war zumindest mir egal 😊). Gleich zu Beginn eines neuen Landes wollten wir es uns nicht so hart geben. Und außerdem wollten wir auch die Thermalquellen anschauen.

Wir machten reichlich Kilometer und schafften es wider Erwarten doch noch bis Salto. Dort hofften wir einen Geldautomaten zu finden. Aber wenn, dann zu Fuß, denn die freundliche Dame an der Tankstelle meinte, wir dürften mit unserem LKW auf gar keinen Fall nach Salto reinfahren: zu kleine Straßen / viel zu eng! Beim Hotel Posta del Dayman fanden wir einen wunderschönen Campingplatz mit zwei Heißwasser Poolen und einem Kaltwasserbecken. Alles sehr gepflegt und sauber! Allerdings -wie überall in Uruguay-: Keine WC-Brillen, kein WC-Papier, keine Handwaschseife, keine Papiertücher und keine Tür zum Abschließen – ein „nacktes“ WC (ohne Bürste!). Es war heiß (und wenn ich sage HEISS, wird es für viele unerträglich 😉). Die Moskitos frassen uns in der Dämmerung auf. Wir versuchten es noch mit einem Lagerfeuer, aber es war komplett sinnlos und noch heißer! Wir blieben noch eine Nacht länger, um das Städtchen Dayman anzuschauen (was sich leider nicht lohnte) und zum „Reste essen“ wegen der Grenze, da man ja kein Obst, kein Gemüse, keine Milchprodukte, kein Fleisch und keine Wurst mitnehmen durfte. Chrisi planschte noch ganz alleine im Pool (wir hatten den Campingplatz, bis auf ein Auto, für uns alleine). Ich traute dem Frieden nicht, denn das Wasser roch weder nach Chlor (o.k., das sollte es auch nicht), aber irgendwie nach Thermal oder Mineral roch es eben auch nicht.

Blöderweise lasen wir in der Nacht die Bemerkungen über das Personal an der Grenze, wie unfreundlich sie waren und wie hart sie kontrolliert hätten. Die schlimmsten Rezessionen! Nach einer schlaflosen Nacht und mit Bauchweh fuhren wir die ca. 25 km zur argentinischen Grenze, die kaum angeschrieben war. Die Fahrt ging über eine endlose Brücke, über einen Staudamm, es kam ein Schild, welches uns in Argentinien begrüßte, aber einen Grenzübergang sahen wir nicht! Wir mussten unbedingt in Uruguay auschecken und zwar sowohl uns, als auch Muddy UND das Pony!

Wir hatten das Ende der Brücke schon erreicht und fuhren weiter, aber es kam nichts, obwohl wir sicher in Argentinien waren! Irgendwann kam etwas, wo aussah, wie eine Mautstelle (doch Uruguay 😉?). Wo mussten wir hin? Wir fragten einen völlig überforderten Militär, der dreimal telefonierte, vermutlich ohne Erfolg. Irgendwann kam ein zweiter Mann in Uniform und sagte, ich alleine solle mitkommen. Wir irrten von Häuschen zu Häuschen. Keiner war zuständig, keiner sprach Englisch. Schließlich, an einem langen Tisch mit vielen Mate Utensilien, saßen einige Leute. Einer (Argentinier wie sich herausstellte), sprach ein paar Brocken Englisch. Sein Tischnachbar (Uruguayer?) war wohl für irgendetwas zuständig, jedenfalls bekam er die Papiere für Muddy und das Pony (die wir nie wieder sahen, aber vorher noch abfotografiert hatten. Es waren die Hafenpapiere aus Montevideo).

Gott sei Dank kam dann auch Chrisi angelaufen. Er musste zweimal unterschreiben. Dann ging es mit unseren Pässen vor eine andere kleine Kabine und auch die Zulassungsbescheinigungen mussten wir vorlegen. Wir bekamen alles zurück und fragten zehnmal, ob wir nun in Uruguay ausgecheckt waren oder nur in Argentinien eingereist? Anscheinend beides, weil es ein gemeinsamer Übergang war.

Viel war am Grenzübergang nicht los. Es sei „tranquillo“ sagte der argentinische Zöllner. Mit den Pässen und den Zulassungsbescheinigungen gings an einen anderen Schalter. Die Dame dort rieb sich vor lauter Verzweiflung Augen und Kopf, weil die deutschen Daten nicht in das argentinische Formular passten und außerdem hatte sie Feierabend. Das Autokennzeichen wurde per Zuruf überprüft. Die Fahrgestellnummern passten eh nicht in die Spalte, das Pony wurde mit der Hand ergänzt. Fertig! Was – wie – fertig?! Ja, ganz fertig! Wir fragten ungläubig nochmals dreimal, ob dieses eine Stück Papier für beide Fahrzeuge ausreichend wäre (ja, völlig) und da die zwei Spuren nach Argentinien zu niedrig für Muddy waren, durften wir die Einreisespur nach Uruguay rüber nach Argentinien fahren.

Adios Uruguay!

Bienvenido Argentina!

Ein seltsamer Grenzübertritt, ohne jegliche Kontrolle und wir Trottel hatten den Kühlschrank leer! Nachdem wir Uruguay als super freundlich, hilfsbereit und sehr entspannt empfunden hatten, waren wir gespannt auf Argentinien Einige Uruguayer hatten uns gewarnt! Nie auf Parkplätzen ohne Bewachung parken, sehr gefährlich, während der Fahrt einschließen, Fenster geschlossen halten etc.

Das Erste, was wir in Argentinien sahen, waren Wasserschweine 😊. Der Supermarktparkplatz hatte eine Höhenbeschränkung von 2,80 m. Muddy ist 3,68 m hoch. Wir parkten auf der Straße und fragten eine nette Dame, die uns bestätigte, dass der Platz sicher wäre. Das Angebot an Lebensmitteln war nicht besonders pricklig ☹. Kaffee war abartig teuer (ist er noch! 500 gr. gibt es kaum, und wenn dann kostet er zwischen 10,00 und 12,00 Euro. Es gibt sogar 110 gr. Kaffee zu kaufen und die wenigsten Sorten schmecken. Ergänzung Patagonien 500 gr. Kaffee für 21,00 Euro im Supermarkt gesehen!!). Auch Brot ist nichts für (meinen) deutschen Geschmack. Wir wussten nicht, was einkaufen. Der Geldautomat verweigerte seinen Dienst (dann erstmal keine argentinischen Pesos) und der junge Mann im Handyladen meinte, er dürfe nur an Argentinier SIM-Karten verkaufen. O.k., dann zuerst Schlafplatz suchen. Wir fuhren -mal wieder durch die ganze Stadt-  und Concordia ist sehr groß (2022: 198.802 Einwohner) und hat drei Universitäten. Die Straßen waren eng, es gab viele unberechenbare Mopedfahrer, aber das Schlimmste waren die Stromleitungen. Bei drei Stück dachte ich, „so, jetzt abgerissen und das Netz von Concordia stillgelegt“!

Der Campingplatz Club Pesca schien nicht wirklich einer zu sein und für argentinische Verhältnisse war er viel zu teuer! Es gab aber weiter vorne in der Straße einen Wohnmobil-Stellplatz kostenlos und dort standen auch schon zwei Wohnmobile, eines aus Uruguay und eines aus Brasilien. Zwar war der Platz nicht bewacht, aber die Polizei würde oft daran vorbeifahren, so berichteten uns alle Leute, die uns (wegen Muddy 😊) besuchten. Gegenüber war ein Beach-Volleyballfeld, eine Rollschuhbahn, Basketballfelder und ein Fußballplatz. Wir gingen erst spät rein, weil (zumindest die Menschen aus Concordia) sehr kommunikativ waren und wenn unser Spanisch ausging, half Fantasie und der Google-Übersetzer weiter. So erfuhren wir z. B. von einem Besucher, dass man als Argentinier 30 Jahre arbeitet und dann in Rente geht. Arbeitet man länger, was man durchaus tun kann, bekommt man aber deshalb keinen Peso mehr Rente! Unglaubliches System!

Am nächsten Morgen (auf unserem Stellplatz war eine Motorrad-Führerschein-Prüfung 😊) wollten wir nur schnell die 2,7 km (einfach) in die City laufen um am Bankautomaten argentinische Pesos zu holen und eine neue SIM-Karte fürs Handy zu kaufen. Dann wollten wir ganz schnell weiterfahren, denn der Weg nach Feuerland war weit (wie wir ja nun alle wissen 😉) und die Zeitspanne für einen Besuch gering. Wir wären zwar in zehn Minuten über die Grenze gefahren (wenn wir nicht ständig nachgefragt hätten, ob das wirklich alles war), aber für Geld und Karte brauchten wir einen GANZEN Tag! Concordia ist keine Kleinstadt und wir waren auf allen Banken, die wir finden konnten, aber man bekommt mit einer europäischen Kreditkarte kein Bargeld! Und auch die SIM-Karte musste bar in argent. Pesos bezahlt werden. Also erst in den Mobilfunk-Laden, dann im Wechselbüro zu einem ganz schlechten Kurs urug. Pesos in argent. Pesos getauscht. Dann wieder in den Mobilfunkladen und dann mit Zettelchen und Bargeld in einen bestimmten Supermarkt um den Betrag einzuzahlen und die Karte zu aktivieren. Gut! Hatten wir nur noch das Bargeldproblem, denn überall mit Karte zahlen, ging nicht. Wir spielten alle Möglichkeiten durch, aber eine brauchbare war nicht darunter. Da fiel uns Lothar ein, ein erfahrener Weltenbummler, den wir auf Silvias Campingplatz kennengelernt hatten. Lothar erzählte uns dort, dass man bei der Western Union ein Konto eröffnen, sich dorthin Geld überweisen und es dann in einer der Western Union Filialen abholen könnte. Klingt sehr einfach, die Umsetzung war weitaus schwieriger und nahm Stunden in Anspruch. Das Problem war vermutlich die argentinische Telefonnummer (oder auch etwas anderes). Keine Ahnung! Chrisi blieb extrem hartnäckig und ENDLICH klappte es dann doch noch 😊! Wir wanderten um 18.00 Uhr nochmals (bei immer noch 30 Grad) zum zweiten Mal in die Stadt zur Western Union Filiale und erhielten argentinische Pesos zu einem richtig guten Kurs ausbezahlt 😊. Die Welt war wieder in Ordnung!

Die Etappe am nächsten Tag sollte nur ca. 108 km sein, weil wir erst am Montag den Tunnel zwischen Paraná und Santa Fe durchfahren wollten. Laut Statistik ist der Verkehr durch die Röhre am Montagvormittag am geringsten. So hatten wir in Concordia noch Zeit etwas anzuschauen.

Naranjal de Pereda wurde 1882 als Salpeter-Fabrik gegründet. Zum Teil wurde Leder, Talg, gepöckeltes Fleisch und Trockenfleisch auch nach Buenos Aires transportiert und ging von dort per Schiff nach Spanien und England. 1920 übernahm das Grundstück die Familie Pereda.

Das Castillo San Carlos wurde im 19. Jahrhundert erbaut. Von wem und warum erschloss sich uns auf Spanisch leider nicht. Bei 35 Grad fuhren wir dann weiter. Wir hatten bei den Ruinen von Naranjal de Pereda viel Zeit verloren, weil der freundliche junge Mann aus dem Aufpasser-Häuschen sich viel Mühe gab, uns die Geschichte der Ruine und ganz besonders die von Argentinien auf Spanisch näher zu bringen.

Die Route ging erst mal weiter in den Westen. In Villaguay fanden wir an einer Piste ein sehr schönes und günstiges Plätzchen bei einer Großfamilie mit vier Kindern, zwei Hunden und zwei süßen Welpen 😊. Irgendwoher kamen noch mehr Kinder und zum Schluss saßen ganz viele mit uns vor Muddy und wir übten Spanisch und sie Englisch 😊.

Ab 01.00 Uhr nachts regnete es ununterbrochen und am nächsten Vormittag auch noch. Das schwere Gewitter setzte den kompletten Platz des freundlichen Herrn und die komplette Piste unter Wasser. Wir haderten schwer, ob wir weiterfahren konnten oder ihm den ganzen Platz zerstören würden. Um 13.00 Uhr -es hatte seit ca. zwei Stunden nicht mehr geregnet- fuhren wir los. Feuerland war noch so weit! Wie auf Schmierseife oder Glatteis pflügten wir die Schlammpiste entlang. Bei einem extrem tiefhängenden Stromkabel brauchten wir die Hilfe der Anwohner, aber auch die Argentinier sind freundliche und hilfsbereite Menschen.

Die Nebenstraßen der kleinen Städte und Dörfer sind alles Pisten und nur die Hauptstraße ist geteert. Ich fand es sehr erstaunlich, dass viele Mopedfahrer (männliche UND weibliche) mit zum Teil weißen (!) T-Shirts oder hellen, kurzen Hosen und weißen Turnschuhen ganz entspannt aus den schlammigen Nebenstraßen kamen. Wir fuhren bis nach Paraná an reichlich Weizenfelder und Pampa vorbei. Diese Region im Nordosten Argentiniens liegt zwischen dem Rio Uruguay und dem Rio Paraná und heißt „Entre rios“ (Spitzname „Zweistromland“). Die Städte Paraná (ca. 368.000 Einwohner) und Santa Fe (ca. 570.000 Einwohner) liegen sich am Fluss gegenüber, aber ohne Brücke, sondern mit einem unterirdischen Tunnel verbunden, dem „Túnel Hernandarias“ wie er allgemein heißt. Offiziell (alles hat hier ja mehrere Namen) heißt er „Túnel subfluvial Raúl Uranga-Carlos Sylvestre Begnis“. Der Baubeginn war 1961, fertig war er 1969. Er hat eine Länge von 2,4 km und täglich fahren ca. 12.500 Fahrzeuge durch. Natürlich ist er mautpflichtig!

Wir fuhren schon ein bisschen früher als sonst von der wirklich schönen und gepflegten Shell Tankstelle in Paraná los. Die Tunneldurchfahrt war überhaupt kein Problem (wenn man sich die Wassermassen über sich nicht vorstellte 😉. Die Mautgebühr betrug 8.000 argent. Pesos (ca. 5,00 Euro). Auf der anderen Seite in Santa Fe, passten wir immer auf, dass wir ja nicht in die Innenstadt fuhren. Unser Navi, das GARMIN, ist ein schreckliches Teil! Gibt man „kurzer Weg“ ein, nimmt er fast Fluglinie und schreckt auch vor Bürgersteigen und Feldwegen nicht zurück. Und gibt man die zweite Option „schneller Weg“ ein, nimmt er keine Umgehungsstraßen, sondern fährt im Zick-Zack durch die Städte und sehr gerne in historische, alte, enge Ortskerne, wo wir uns dann auf einer kleinen Plaza in der Mitte wieder finden ☹. Deshalb ignorierten wir das Navi und fuhren stur die Ruta 19 nach Cordoba, möglichst am Rande von Santa Fe. Irgendwann war aber nur noch Rosario und Buenos Aires angeschrieben oder irgendwelche Barrios (Stadtviertel). Wir wählten meist Rosario, denn Cordoba tauchte NIE wieder auf. Dahin wollten wir aber auf keinen Fall!

Im April 2003 kam es zu einer verheerenden Überschwemmung weiter Teile der Stadt infolge eines Hochwassers des Rio Salado. Dabei kamen 30 Menschen ums Leben. Tausende mussten evakuiert werden und leben teils heute noch in Zeltsiedlungen rund um die Stadt. Meterhoch türmt sich dort der Müll über den Hüttendächern und auch der kleine Fluss ist voll davon.

Nachdem wir durch „Bella Italia“ mit riesen Häusern und noch größeren Pools gefahren waren, erreichten wir San Franzisco nach einem längeren Umweg (wir hatten das Navi so lange ignoriert, bis wir uns verfahren hatten ☹), aber doch noch bei Tageslicht.

Im Supermarkt „Anselmi“ kauften wir Nachschub und suchten einen Schlafplatz. Bemerkenswert ist, dass es sehr viele Leute mit deutschen Nachnamen gibt! Lehmann, Walter, Bahl, Schachner, Kern etc. Wenn wir jemanden kennenlernten, stellte sich leider immer heraus, dass nicht überliefert ist, woher der Urgroßvater oder die Großmutter genau stammten und natürlich spricht keiner mehr deutsch Ach ja: den einzigen Schlafplatz fanden wir an einer total überfüllten YPF Tankstelle, wegen des Regens im Dreck mit riesen Pfützen und vielen Moskitos! Wir hatten aber, im Gegensatz zur Nacht davor, wo ab 04.00 Uhr morgens mehrere Jugendliche eine Stunde randalierten, eine ruhige Nacht. Etwas merkwürdig fanden wir nur ein, zwei Lagerfeuer der LKW-Fahrer zum Kochen an einer Tankstelle!

Wir kämpften uns weiter durchs Landesinnere von Argentinien. Es kam ein Maisfeld, ein Weizenfeld, ein kahler Boden, nichts und wieder ein Maisfeld. Wir waren uns einig, dass sogar eine deutsche Autobahn spannender ist ☹. Aber da mussten wir durch! Sehr schlimm sind die ganzen Überschwemmungen. Nach einem Regen steht alles unter Wasser.

Wir kamen durch kleine Dörfer, eher Ansammlungen von ein paar Häusern, die hießen Colonia Bismarck und Colonia Bremen und haderten in Bell Ville -mal wieder- mit unserem Navi! In Canals (muss man nicht kennen) fanden wir einen Schlafplatz an der YPF Tankstelle und freuten uns schon auf kalte Getränke im Baumschatten (35 Grad). Leider fraßen uns die Moskitos auf, kaum dass wir aus dem Auto waren und was noch viel schlimmer war: zwei Stunden brauchten wir, um den Gummi, der sich aufgrund der abartig schlechten Straßen am Durchstieg gelöst hatte und nur noch an einem kleinen Zipfel hing, wieder an seine richtige Position zu bringen und das möglichst dauerhaft. Auch hier ist so ein Ersatzteil-Gummi nicht zu kriegen. Dann war auch schon dunkel und wir saudreckig!

Am nächsten Morgen ging es weiter auf der Ruta 3 Richtung Peninsula Valdés, die noch ganz ordentlich weit weg war. Die Straße war so mega schlecht mit riesigen Schlaglöchern, dass wir fast seekrank wurden. Es gab viele Störche und Reiher, wieder die gleichen Felder und streckenweise ganz viele LKWs mit sehr freundlichen Fahrern, die uns alle zuwinkten und Lichthupe gaben. Die zweite Etappe endete wieder an einer YPF Tankstelle, die alle (auch die Shell Tankstellen etc.) 24/7 arbeiten. Die Lampen sind taghell und man darf kostenlos stehen (hin und wieder sogar auf Gras und etwas abseits der lauten LKWs). Was in Kanada und den USA Walmart für uns war, wenn wir nichts fanden, waren hier die Tankstellen.

Bevor wir uns am nächsten Morgen wieder „auf Kurs“ begaben, mussten wir unbedingt noch Motoröl für Muddy kaufen, denn es durfte ja nicht mitverschifft werden. Keine leichte Aufgabe, aber schließlich fanden wir eins. Nach mehreren Tagen mit 35 – 40 Grad kam morgens ein Gewitter runter und es regnete öfters auf unserer Strecke. Vor allem waren zahllose LKWs unterwegs und immer gab es Baustellen. Es war echt stressig auf der schlechten, engen Straße. Kurz vor Bahia Blanca, wo die heutige Zielflagge hing, fiel auch noch das Navi komplett aus. Es fand uns einfach nicht mehr und stellte seinen Dienst ein. Laut Handy waren wir jedoch noch richtig und irgendwann kurz vor dem Abbiegen fand es uns auch wieder (dieses blöde Teil!), aber es ging an die Nerven. Dieses Mal schliefen wir an einer kleinen, ruhigen ACA Tankstelle. Ein paar Meter weiter tobte der Verkehr über die Ruta 3 oder zumindest das, was die Bauarbeiten vorerst von ihr übrig ließen.

Obwohl es in Argentinien fast keinen Zugverkehr gibt, wachten wir nachts zweimal am „Getröte“ eines Zuges auf. Das war ja (fast) wie in den USA 😊. Die nächste Etappe führte uns tatsächlich bis nach Patagonien! Wir passierten deshalb auch zwei Stationen der „Gesundheitspolizei“, wo wir gefragt wurden, ob wir Obst dabei hätten (genauer gesagt, nur die zweite Station, der ersten war es wohl egal). Solche Kontrollen haben wir noch nie verstanden! Obwohl, vielleicht würde sich ja der Wurm aus einem fremden Apfel in Patagonien wohlfühlen?! Und werden Obst und Gemüse nicht über alle Landesgrenzen hinweg auf LKWs transportiert?

Die Landschaft wurde nicht viel anders. Aber, wir dachten, dass der Weizen nun viel kleinwüchsiger war 😊.

Als Patagonien bezeichnet man historisch den Teil Südamerikas, der sich südlich der Flüsse Rio Colorado in Argentinien und Rio Bio Bio in Chile sowie nördlich der Magellanstraße befindet. Eine genaue Abgrenzung gibt es nicht. Der Name Patagonien geht auf den portugiesischen Entdecker Ferdinand Magellan zurück. Er gab den einheimischen Tehuelche wahrscheinlich aufgrund ihrer großen Statur den Namen patagones. Es könnte aber auch abgeleitet sein von „großen Füßen“ (spanisch: patones), denn die Form der Mokassin der Tehuelche ließ die Füße sehr viel größer erscheinen.

Leider wurden wir von zwei Schwertransportern mit einer überdimensionalen Fracht (Turbinen vielleicht) extrem aufgehalten. Sie fuhren max. 40 km/Std. und wir zuckelten hinterher. Ein Überholen war für uns nicht möglich und kostete uns zwei Stunden mehr Zeit. In Viedma fuhr der Konvoi die Ruta 3 weiter, während wir sowieso vor hatten nach der langen und langweiligen Fahrt durchs Landesinnere endlich einen Blick auf den Atlantik zu werfen. So fuhren wir die Ruta 1 nach El Condor, ein sich im Dornröschenschlaf befindendes Feriendorf am Meer. Überall wurde gemauert, gezimmert und gestrichen, um zur Hauptsaison hübsch zu sein. Beim Zustand alleine der Strandpromenade würde ich aber sagen, dass jede Hilfe zu spät kommt!

Am Strand lernten wir einen jungen Mann kennen, der im Dezember seine neue Strandbar eröffnen wollte. Er riet uns unbedingt die Ruta 1 (eine Piste am Meer entlang) weiterzufahren, da sie viel schöner und spannender als die Ruta 3 wäre. Chrisi war sofort Feuer und Flamme 😊. 

Zuerst gings aber zum Campingplatz UPCN in El Condor zurück, wo Muddy in der Dämmerung auf uns wartete. Wir blieben noch einen weiteren Tag um Wasser aufzufüllen. Der Wasserdruck war gleich Null und so brauchten wir stundenlang dafür ☹. Die Zeit reichte aber dennoch zum Einkaufen (jedenfalls nur wichtige Dinge, die in den Rucksack passten), einen nochmaligen Strandspaziergang und eine ausführliche Schönheitspflege inkl. heißer Dusche (das ist nicht selbstverständlich. Oft gibt es nur kalte oder gar keine Duschen oder nur von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr). Nachts wurden wir wach vom Geschrei der hübschen gelben Papageien mit blauen Flügeln.

Was mir Gedanken machte war, dass es weit und breit keinen Campingplatz mit Waschmaschine und am besten auch mit Trockner gab. Die letzte Waschmaschine gabs bei Silvia in Uruguay auf dem Campingplatz und unsere Wäscheklammern reichten gerade so zum Draußen trocknen. Selbst Waschsalons hatten wir noch keine gesehen. Vermutlich gabs die im hintersten Winkel einer Großstadt. Es musste sie geben, denn es schien, nur ein sehr geringer Prozentsatz in Argentinien hat eine eigene Waschmaschine.

Wir wollten die Empfehlung, die Küstenstraße Ruta 1, fahren. Allerdings nicht mit einem nur zu einem Viertel gefüllten Tank. So mussten wir 27 km zurück nach Viedma, tanken und wieder die 27 km zurück nach El Condor. Tankstelle und Straße waren voll, denn es war Sonntag und am Montag war Feiertag. Wenn ein Feiertag ungeschickt fällt, wird er einfach auf einen Montag oder Freitag gelegt, um das Wochenende zu verlängern. Wie wir später erfuhren, war auch der Freitag ein Feiertag gewesen. Gott sei Dank wussten wir es nicht. Ach ja, am Montag (24.11.) war der „Tag der Nationalen Souveränität (Dia de la Soberania Nacional) und er erinnert an die Schlacht von Vuelta de Obligado am 20.11.1845.

Am Punta Bermeja gibt es eine der größten Seelöwenkolonien (auch Mähnenrobben genannt) Südamerikas. Permanent befinden sich 4.000 Tiere dort. Von zwei Plattformen aus konnten wir sie beobachten. Victor, ein junger Rancher, begrüßte uns am kleinen Museum mit Handschlag auf Englisch. Er berichtete uns, dass vor einer Stunde Orcas vorbeigezogen wären. Es gibt wohl die südlichen und die nördlichen Orcas. Während die nördlichen weiter draußen bleiben, kommen die südlichen Orcas ganz nah an den Strand. Und auf der Peninsula Valdés würden wir garantiert welche sehen.

Wir kamen noch bis Bahia Creek (es erinnerte mich an „Walkabout Creek“ aus dem Film „Crocodile Dundee“ 😉 und fanden auf dem einzigen Campingplatz der letzten 100 km und der nächsten 100 km einen Stellplatz. Von dem pausenlosen, starken Wind, Sonne und Sand fing unsere Motorradplane schon wieder an sich aufzulösen. Wir hatten sie ganz neu in Deutschland gekauft. Auch Chrisis alter Strandstuhl zeigte Auflösungserscheinungen. Im Gegensatz zum Panzerband (hielt nicht) half uns die gute alte Paketschnur 😊.

Am nächsten Morgen beendeten wir die Pistenfahrt auf der Ruta 1 mit jeder Menge „Wellblech“. Es hatte nicht nur uns böse durcheinander geschüttelt. Morgens hatte Chrisi zwei Schrauben auf der Motorradplattform gefunden und schnellstmöglich mussten wir den Platz finden, wo sie fehlten. Wir fuhren noch den langen Strand in San Antonio Este (Ost) bis zum Hafen und spazierten am Strand entlang, weil sich dort Robben im Hafenbecken tummeln sollten (taten sie aber nicht).

In San Antonio Oeste (West) fanden wir einen Stellplatz im Club Nautico, der schon etwas bessere Zeiten gesehen hatte. Aber Senior Lois war sehr freundlich und super hilfsbereit! Er empfahl uns einen Waschsalon in der City und einen Supermarkt, den wir zu Fuß mit dem Rucksack erreichen konnten.

Wir blieben zwei Tage, weil die Wäsche erst am nächsten Tag fertig wurde. Ein großer Sack (ca. 1,5 Trommeln, mehr als 7 kg) kostete inkl. Trockner, Waschmittel und zusammenlegen 15.000 argent. Pesos (ca. 8,91 Euro) und sie roch sogar sehr gut! Wir mussten zwar alles nochmals zusammenlegen, aber woher hätte die sympathische Dame die Abmessungen von Muddys Schränken wissen sollen? Chrisi fand von zwei Schrauben eine Zuordnung am Motorrad (an der Befestigung hinten). Die andere fehlende Stelle wird sicher noch auftauchen.

Nach einem sehr herzlichen Abschied von Lois machten wir uns wieder auf in den Süden! Seit Bahia Blanca befanden wir uns auf der legendären Panamericana 😊 (es war immer noch die Ruta 3). Die Fahrt war eintönig und mit 38 Grad im Schatten sehr heiß. Abends fanden wir wieder einen Platz an einer YPF in Sierra Grande auf einer Höhe von tatsächlich 255,91 m (nach langer Zeit so hoch!).

Nach einer ruhigen Nacht gings weiter. Es waren noch ca. 2.000 km nach Feuerland! Dennoch verließen wir die Ruta 3 und folgten einem langen Schwanenhals, der Ruta 2, auf eine Halbinsel im Atlantik, die Peninsula Valdès. Dieser Nationalpark ist UNESCO Welterbestätte, umfasst 3.600 km² Fläche und hat mehr als 400 km Küstenlinie. Er soll zu den schönsten Naturschutzgebieten in Südamerika zählen. Man kann dort Seelöwen, Seeelefanten, Delfine, Orcas (mit viel Glück), Wale (von Juni bis Mitte Dezember (leider waren am 27.11. keine mehr da)) und Magellan Pinguine sehen. Auch Nandus, Maras, graue Füchse, Schlangen (sogar giftig), viele verschiedene Vogelarten und Gürteltiere leben auf der Halbinsel Valdès. Ein Gürteltier hätten wir beim Überqueren der Straße (außerhalb des Parks) fast überfahren. Aber Chrisi konnte noch bremsen. Da hatten wir alle drei Glück 😊! Was wir nicht so lustig fanden, war die Preisgestaltung! Diese gibt es übrigens nicht nur in  Nationalparks, sondern anscheinend auch bei einer Fluglinie, in Museen, etc. Ausländische Touristen zahlen oft das achtfache (oder auch gerne mehr). In diesem Fall betrug der Eintritt 45.000 argent. Peso pro Nase (ca. 28 Euro). Blieb man im Park auf dem einzigen (und wer hätte es gedacht sehr teuren) Campingplatz, bezahlte man einmal Eintritt. Fuhr man wieder raus, durfte man am nächsten Tag nochmal rein. Bezahlte danach aber wieder den kompletten Preis erneut. Argentinier bezahlten 15.000 Peso und Residenz (also die aus dem Departamento Chubut) bezahlten 5.000 argent. Pesos. Und ich dachte immer, alle Menschen sind gleich!

Als nächstes kam das Visitor Center und nach einer kurzen Fahrt sahen wir unser erstes Guanaco (wildes Lama)! Es gibt einige kleine Herden auf der Halbinsel. Am Strand gegenüber der Isla de los Pájaros sahen wir durch ein Fernrohr jede Menge Vögel und eine Kolonie Magellan Pinguine, die geschäftig am Strand entlang eilten. An der Punta Pyámides lebt eine Kolonie Seelöwen. Nach den fast 40 Grad der vergangenen Stunden fühlten sich die höchstens 17 Grad am Atlantik sehr kalt an und am schlimmsten war der eiskalte Südwind, der von Feuerland hoch blies. Er wehte uns fast von der Aussichtsplattform.

Dann wurde es Zeit auf dem Campingplatz einzuchecken, wobei ich den Begriff „Campingplatz“ für alle bislang dagewesenen für zu hoch gegriffen empfinde! Sie sind oft viel zu teuer und bieten nichts! Die WCs sind alt und dreckig, die Duschen oft eklig. Da sind die sanitären Anlagen jeder Tankstelle in Argentinien besser und sauberer. Aber, wie gesagt, der Camping Municipal ist der einzige! Er liegt in Puerto Pyrámides, dem ebenfalls einzigen Ort, der ganz nett war und 500 Einwohner hat 😊. Wir saßen noch ein bisschen vor Muddy und ließen uns „panieren“ (der Campingplatz war das reinste Sandloch) und zum ersten Mal (seit Silvias Platz) waren wir wieder von zwei deutschen Campern (München und Freiberg/Dresden) umgeben.

In erster Linie waren wir wegen der Orcas da. Diese sieht man am besten, wenn Flut ist und sie näher an die Küste schwimmen. Die Orcas in diesem Gebiet beherrschen die einzigartige und schwierige Jagd von Seehunden bzw. Robben, in dem sie diese direkt vom Strand holen, ohne dabei aufgrund ihres Gewichts auf dem Strand liegen zu bleiben.

Zuerst fuhren wir nach Punta Norte, dort wurde der Fluthöhepunkt gegen 17.00 Uhr erwartet. Die Straße war eine super schlechte, ungepflegte Wellblech-Piste. Nach ca. 43 km kam ein Abzweig nach Caleta Valdés (Fluthöhepunkt dort gegen 15.00 Uhr) und weil es noch so früh war entschlossen wir uns spontan nach Caleta Valdés zu fahren (Piste war nicht besser). Ca. fünf Kilometer vorher kam ein verblichener Wegweiser zu einer Kolonie Magellan Pinguinen. Unglaublich: sie waren nur einen Meter von uns entfernt und hatten offensichtlich einen Model-Vertrag 😊! Wer da wen anschaute, war nicht so ganz klar 😉. In Caleta Valdés lagen die Seelöwen faul am Strand (fast wie Sandwiche!). Die Bullen waren aggressiv oder schnarchten. Weil wir noch Zeit hatten, besuchten wir eine tolle Fotoausstellung: Orcas auf der Jagd an diesem Strand. Diese Bilder der jagenden Orcas sind   N I C H T   von uns! Aber sie zeigen sehr eindrucksvoll, wie sich die Jagd abspielt.

Ganze Ladungen von Menschen, meist aus Kleinbussen bevölkerten die Plattformen zum Meer. Wie ich später gelesen habe, landen auch Kreuzfahrtschiffe und die Passagiere besuchen ebenfalls die Halbinsel. Dann hörten wir, dass die Orcas acht Kilometer vor der Küste gesichtet wurden! Es wurde 15.10 Uhr, es wurde 15.30 Uhr und irgendwann 16.30 Uhr, aber es tauchte kein einziger Orca auf. Schade!

Dafür sahen wir aber noch Maras (ganz komische Riesenhasen), ein Maus-Hamster-Tier, ein Gürteltier und jede Menge Guanacos, sogar mit sehr jungem Nachwuchs. Auf dem Heimweg fing es dann leider an zu tröpfeln und dann richtig zu regnen. Draußen kochen war nicht mehr machbar.

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen doch noch nach Punta Norte fahren, entschieden uns aber dagegen und packten alles zusammen. Es war Samstag, der Nationalpark wurde voller und auf unserem Campingplatz (den wir in der letzten Nacht wieder für uns alleine hatten) kamen mit Bussen drei Schulklassen zum Campen an. Außerdem gab es bis Punta Norte die gleich schlechte Piste, die schwer aufs Material ging und vermutlich wieder keine Orcas.

Wir fuhren ca. 80 km, verließen die Halbinsel und machten kurz vor Puerto Madryn unseren nächsten Stopp (natürlich an einer YPF Tankstelle), weil wir uns dringend um die Webseite kümmern mussten. Es war Monatsende!

Chrisi konnte das Toastbrot nicht mehr sehen und kreierte Tortilla mit Creme de leche (eine Art Sauerrahm), sowie einer perversen Paste, die nach Bacon schmeckte und Tomaten zum Frühstück! Schmeckte irgendwie wie kalte Pizza 😊!

Wie unsere Reise ans Ende der Welt weiter geht, folgt in unserem Dezember-Bericht.

Bis dahin Euch alles Gute von den

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